Spiegel regt mich auf!

22. Feb 2005

Auch auf die Gefahr hin, demnächst als Antisemit hingestellt zu werden, möchte ich meiner Wut Luft verschaffen.

Wie du vielleicht mitbekommen hast, will der Papst sein nächstes Buch veröffentlichen – sein fünftes schon (oder erst?). Darin kommt der Papst unter anderem auf das Thema Abtreibung zu sprechen und zwar – ja das hatten wir doch erst vor kurzem – im Vergleich zum Holocaust.
Der Holocaust habe nach dem Sturz der Nazis aufgehört [Gott sei Dank], „Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener Wesen.“ Und dann weiter: „Parlamente, die solche Gesetze schaffen und verkünden, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie ihre Machtbefugnisse überschreiten und in einem offenen Konflikt mit dem Gesetz Gottes und dem Gesetz der Natur verharren.“
Amen, kann ich nur sagen.

So, wie nun nicht anders zu erwarten war, meldet sich Paul Spiegel zu Wort. Diese Aussagen des Papstes seien antisemitisch oder zumindest nicht angebracht. Soweit so gut. Das ist seine Meinung, und die darf er äußern. Doch was mir eindeutig gegen den Wecker geht ist die folgende Aussage von ihm: Es gäbe nämlich einen „gewaltigen Unterschied zwischen einem fabrikmäßigen Völkermord und dem, was Frauen mit ihrem Körper tun“.

Bitte?!?!? Ich dachte, ich lese nicht richtig: „was Frauen mit ihrem Körper tun“? Seit wann sind die Embryos ein TEIL des Frauenkörpers. Ich glaube es hackt! Ob er wohl auch so gedacht hätte, wenn seine Mutter ihn hätte abtreiben wollen? Wohl kaum.
Ich will nicht beleidigend werden, aber dieses Statement von ihm ist unter aller Kanone.

Mit allem Respekt und Verständnis dafür, dass Herr Spiegel nicht will, dass man den Holocaust als ein normales Ereignis in der Geschichte darstellt. Nein, das war es nicht, es war einmalig – sowohl vom Ausmaß her als auch von der Überheblichkeit der Täter zu meinen, man habe das Recht ein ganzes Volk auslöschen zu dürfen. Dies darf nicht vergessen werden. Und wenn der Zentralrat der Juden dieses immer wieder ins (vor allem deutsche) Gedächtnis ruft, dann ist das völlig legitim und richtig.
Aber wenn er den inzwischen auch schon millionenfachen Mord an Ungeborenen mit den Worten abtut: das sei etwas, was Frauen mit ihrem Körper tun – dann zeugt das von leichtem Realitätsverlust.

Der andere, der mich in diesem Zusammenhang aufregt ist unser Freund Westerwelle. „Wer wie die katholische Kirche Verhütung verdammt, hat kein Recht, Frauen in Not zu kriminalisieren“, sagte Westerwelle.
Recht hat er, dass das Verbot von Verhütungsmittel nicht gerade vernünftig und richtig ist. Aber zu meinen, dass der Hauptgrund für Abtreibungen sei, dass Frauen in Not seien – medizinisch oder wegen Vergewaltigung – heißt: die Augen vor der Realität zu verschließen.

Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass im letzten Jahr:
3 421 (2,7%) Abtreibungen aus medizinischen Gründen stattgefunden haben, 26 (0,0%) aus ethischen (kriminologischen) Gründen und 124 583 (97,3%) Abtreibungen als Folge der Beratungsregelung. Vielleicht noch zu ergänzen, dass es insgesamt 45% verheiratete Frauen waren.
Ich will nicht abstreiten, dass davon wirklich einige in großen Problemen waren/sind. Aber mit der „Not der Frauen“ die Abtreibungen in dem Maße, wie sie bei uns stattfinden rechtfertigen zu wollen, ist leicht daneben.
Denn drehen wir’s und wenden wie wir wollen: es bleibt Mord. Und Mord damit rechtfertigen zu wollen, dass die Mutter finanziell oder sozial nicht gerade rosig dasteht ist ein bisschen schwach. Schließlich darf ich ja auch meine Großeltern nicht abknallen, nur weil ich mir dann ein bisschen Geld sparen könnte.

Mann, wir leben in einer verrückten Welt.

Schönen Tach noch

Markus
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