Bekannt und doch ganz anders

05. Mrz 2005

Wie gerade angekündigt, will ich ein paar Worte zum Thema Polen, Religion und so schreiben. Zunächst aber allgemein ein paar Worte.

Dass ich hier in Polen die Sprache kenne und zum Teil die Kultur ist einerseits erleichternd, andererseits aber auch nicht. Denn ich fühle mich hier nicht wirklich fremd. Was auch dadurch verstärkt wird, dass man hier die selbe Musik, die selben (blöden) Werbungen im Fernsehen sieht, die selben Marken und Geschäfte etc. hat.
So kommt es dann – habe ich heute so festgestellt – dass ich zwar denke, Polen zu kennen (weil ich es auf den ersten Blick auch tue), aber dann unter der Oberfläche kommen doch viele andere Einstellungen, Welt/Menschenbilder etc. zu tragen, die doch nicht deutsch und auch mir nicht so bekannt sind.
Wäre ich in Afrika WÜSSTE ich, dass ich nicht in „meinem“ Land bin. Hier aber muss ich mir das bewusst machen. So wird das, was zunächst wie eine Hilfe scheint (dass ich nämlich die Polnische Kultur zum Teil kenne und sie sich auch der Westeuropäischen annähert) zum Hindernis. Dumm gelaufen. Naja, aber gut, dass es mir bewusst geworden ist. Für mich heißt das, dass ich noch mehr darauf achten muss, die Kultur hier ernst zu nehmen.

Nun noch einiges zum konkreten Punkt.
Im Gespräch mit Andreas Hahn habe ich festgestellt, das Polen ein sehr homogenes Land ist. Immer noch ist die Katholische Kirche die eindeutig dominierende Religion in Polen. Auch ethnisch gesehen. Ausländer gibt es hier praktisch nicht. Multikulti ist hier gar kein Thema – anders als bei uns zur Zeit.
Daher kennen sich die Leute auch nicht mit anderen Religionen aus, müssen sie auch nicht, da eben kein Muslim, kein Hindu, kein Buddhist an der Haustür nebenan ist.
Natürlich gibt es auch in Polen Nichtkatholiken – egal ob ausländischer Herkunft, oder nicht. Aber es ist eben eindeutig in der Minderheit.

Habe gerade ein wenig im Internet gegraben und Folgendes auf der offiziellen Seite der polnischen Regierung gefunden: Ethnische Zusammensetzung: Polen – 98,7%, Ukrainer – 0,6%, andere – 0,7%
Konfessionen: katholisch – 95%, orthodox – 1,5%, protestantisch, überwiegend evangelikal (?) – 1%
Gebet für die Welt sagt für die Evangelikalen ca. 0.2%, von daher meinen die wohl eher Lutheranisch, Augsburger Bekenntnis. Ist auch egal.

Auf jeden Fall sieht man, dass zwischen Polen und Deutschland [insg: 82 531 700; Deutsche: 75 189 900j; Ausländer 7 341 800] ein großer Unterschied besteht. Zum Bereich Religionen in Deutschland fange ich gar nicht erst an, was zu schreiben, denn die Liste würde ziemlich lang werden. Ich verweise einfach mal auf die Seite von REMID. Einfach mal reinschauen, ist echt beeindruckend.

Na ja. Man sieht, dass die Voraussetzungen grundverschieden sind. Andreas Hahn meinte sogar, dass es in manchen Dörfern hier Leute gibt, die denken, es gäbe nichts anderes als die Katholische Kirche. [Und ich glaube ihm das sofort!]

Ist auf jeden Fall spannend. Vor allem, wenn ich sehe, was sich schon in den letzen 15 Jahren hier geändert hat (mit dem Triumphzug des Kapitalismus, MTV etc.) Von daher denke ich, dass sich Polen noch auf einige Änderungen gefasst machen muss.
Bin echt gespannt.

Also: Euch allen einen schönen Abend.

Markus
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