Warum es nicht immer Spaß macht FUNdamental zu sein

24. Mrz 2005

Das wichtigste gleich am Anfang: Ja, ich bin ein Fundamentaler und ich bin es gerne – meistens zumindest. Doch manchmal – wie in den letzen Wochen – wird einem das nicht gerade leicht gemacht.

Bevor nun ein Sturm der Entrüstung losbricht und ich bezichtigt werde, in’s Mittelalter zurückzuwollen oder mit Waffengewalt gegen andere vorzugehen, will ich darstellen, was ich unter „Fundamental“ verstehe.

Ich beziehe mich damit auf die Ursprünge der Bewegung in Amerika, die mit den Fundamentals ihren Ursprung nahm. Die meisten würden diese Position heute als Evangelikal bezeichnen – damals hieß es noch Fundamental bzw. Fundamentalistisch
.
Vielleicht fragt mich jemand – warum willst du ein fundamentaler Christ sein – wenn das heutzutage mit dem (fanatischen) FundamentalISMUS gleichgesetzt wird? – Das Problem ist, dass es auch unter den Evanelikalen verschiedene Strömungen gibt – auch solche, die nicht unbedingt im Sinne der damaligen Fundamentalen sind. Die Grundlage der Fundamentalen damals war nun mal das absolute Festhalten an der Inspiration und vor allem auch Irrtumslosigkeit der Bibel als dem FUNDAMENT des christlichen Glaubens.

Und das ist unter den Evangelikalen auch nicht mehr immer der Fall. Außerdem – da bin ich mir noch nicht ganz sicher – ist die Einstellung der deutschen Fundamentalen (wozu sich z.B: die FTA zählt) anders als die der amerikanischen, wo (meinem Gefühl nach) die Fundamentalisten sehr stark sind und sich die meisten Evangelikalen von jeglichem Fundamental-ismus fern halten.
Dass ich selber mit dem ISMUS nichts zu tun habe, will ich hier auch betonen. Mit dem FundamentalISMUS, der betont, dass der Textus Receptus die eigentliche Bibel sei, der betont, dass jegliche Form von Wissenschaft von unten sei und jegliche Anpassung der Form (also Musik, Sprache, Kleidung) ans 21. Jahrhundert ablehnt. Mit einem solchen FundamentalISMUS habe ich nicht viel bis gar nichts gemeinsam. Ich bin 100% dafür, die Bibelübersetzung so zu gestalten, dass sie jeder heute verstehen kann – in seiner Sprache. Ich bin dafür, dass die Musik in den Gottesdiensten so modern wie möglich ist (dass sie der Anbetung und dem Gottesdienst DIENEN muss, darf dabei nur nicht vergessen werden). Ich bin dafür, dass wir durchaus cool sind – denn Christus war es und wir müssen nicht die letzten Weicheier sein, um besonders christlich zu sein.
Aber: Das darf die Bibel nicht verwässern. Ja, ich bin auch dafür, dass wir Theologie studieren – dass wir dabei alle nur möglichen (Hilfs)Wissenschaften einsetzen, um die Bibel besser zu verstehen, angefangen von der Textkritik (ich bin NA27-Verfechter) bis über Geschichtswissenschaften, Psychologie, Pädagogik, Managment, Marketing, Linguistik (und was nicht sonst noch alles). Alles das ist gut – wenn es sich der Bibel unterordnet.
„Äh – Moment mal“ Werden jetzt vielleicht manche denken. Das ist doch alles Evangelikal. Jein, eben nicht mehr unbedingt. Ich habe in den letzten Tagen/Wochen feststellen müssen, dass es (zumindest bei einigen Evangelikalen in Polen und den USA) nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Bibel historisch so ernst genommen wir. Da werden die esten 11 Kapitel als literarisch, nicht als wörtlich verstanden. Und jeder, der meint, dass Gott die Welt tatsächlich in 6 Tagen (á 24 Stunden) geschaffen hat, wird als Fundamentalist bezeichnet oder (das ist dann gaaanz schlimm): als Kreationist. Jo, bin ich, und?
Nun, für die, die das als Schimpfwort bezeichen, heißt Kreationismus: Ablehnung jeglicher Wissenschaft und blindes festhalten an unhaltbaren Aussagen der Bibel. – Das ‚Problem‘ ist, dass ich in Deutschland einige Kreationisten kenne, die sehr wissenschaftlich sind (Wort und Wissen diene mir hier als Beispiel).
Auch jeder, der daran festhält, dass es wichtig ist, dass Paulus die Briefe geschrieben hat und nicht sonst jemand wird gleich des Fundamentalismus verdächtigt. Nicht, dass man es nicht auch so sehen würde – aber es sei ja eigentlich nicht so wichtig – wichtiger sei dei Botschaft der Briefe. [dass stimmt – aber die Botschaft der Briefe würde mich herzlich wenig interessieren, wenn sie von einem Hochstapler kommen würde, der nur behauptete Paulus zu sein]
Ich finde, dass es 1. gute Gründe gibt an diesen Sachen festzuhalten und dass es 2. auch wichtig ist, weil die Konsequenzen ziemlich verheerend sein können, wenn wir hierbei sagen: ist ja nicht so wichtig, dann hat Gott die Welt nicht in 6 Tagen geschaffen, und die Briefe hat halt sonstwer geschrieben.
Nein – ich meine nicht, dass meine Welt zusammenbricht, wenn Gott dafür doch 6 Wochen, 6 Jahre, 6000000 Jahre oder keine Ahnung wie lange gebraucht hat. Nur sehe ich keinen Grund es so zu betrachten, ich finde auch linguistisch spricht nichts für eine solche These und: Wenn ich diesen narrativen Text nicht als wörtlich betrachte, was ist dann mit anderen. War David vielleicht auch nur eine erfundene Gestalt, die nur den perfekten König darstellen soll?
Nein – ich bin auch nicht gegen eine gute Untersuchung der historischen Fakten gegenüber den Paulusbriefen. Ich bin sehr dafür – sollte nämlich wirklich rauskommen, dass das alles Fälschung ist [wovon ich überzeugt bin, dass es NICHT so ist], dann hat der betreffende Brief verloren und ist draußen. Nur: für eine solche Annahme gibt es eben keinen Grund!
Sollte andererseits feststehen, dass z.B. Jesaja wirklich von einer Gruppe von Leuten geschrieben worden war, die alle zusammen unter dem Titel „Jesaja“ veröfftentlicht worden haben, und auch, dass es zur Zeit Jesu üblich war zu sagen: „Jesaja sagt“, auch wenn jedem klar war, dass es nur die Überschrift des Buches war und Jesaja als Person gar nicht der Schreiber war – WENN diese BEIDEN Fakten wirklich geschichtswissenschaftlich feststehen, DANN würde ich meine Meinung ändern. Doch: Dafür gibt es keinen Grund. Das jetzt, heute ENTGEGEN des Selbstzeugnisses der Schrift
anzunehmen, ist nicht nur NICHT notwendig, es ist auch wissenschaftlich unredlich. Wenn wir – nur weil uns der Inhalt nicht gefällt – so mit Goethe etc. umgehen würden, dann hätte der nicht mehr viele Bücher geschrieben. [Theologen sind halt die einzige Zunft die mit Gewalt versucht, sich selsbt den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Wer denkt, dass es nichts ausmacht, der soll doch bitte mal schauen, wieviele theologischd Fakultäten es noch gibt, und wieviele Studenten die noch haben.]

Wie du gemerkt hast, sind die letzten Absätze hypothetisch, sehr hypothetisch. Denn ich glaube wirklich nicht, dass es jemals so weit kommt. Doch ich habe sie geschrieben, damit mir nicht jemand sagt, ich wäre fanatisch und würde die Realität nicht akzeptieren. Das stimmt nicht! Wenn es wirklich so historisch gewesen wäre, dann wäre ich doch dumm, wenn ich es nicht akzeptieren würde. Schließlich hat Gott ja damals nach damaligen ‚Regeln‘ gehandelt und nicht nach heutigen. Doch für eine solche Annahme sehe ich (noch) keine Grund – und ich finde es mindestens genauso unrealistisch und dumm [also – eigentlich sogar noch viel dümmer], was die anderen tun. Sie meinen, nur weil irgend ein Professor sonstwo meint bewiesen zu haben, dass Jesaja nicht von Jesaja kommt, dass man sofort ihm beipflichten muss, weil man ja sonst als unwissenschaftlich gilt. Dann wäre man ja ein FUNDAMENTALIST – wie furchtbar.

Mann!! – denkt ihr wirklich, dass diejenigen, die sowas schreiben immer ganz objektiv sind und von absolut hehren Absichten gelenkt werden?

Wie gesagt – ich bin für wissenschaftliches Arbeiten – aber wenn es darum geht, Wahrheiten anzufechten, die seit Tausenden von Jahren (Juden und) Christen glauben, wäre ich nicht so schnell, das als meine Meinung zu übernehmen.

Eigentlich wollte ich noch was zu Chr. A. Schwarze’s Sicht der Fundamentalen sagen – aber das würde den Artikel doch etwas sprengen. Ich lasse es deshalb dabei. Habe schon genug geschrieben. Kommt wahrscheinlich noch in der Rezension – oder im eigenen Artikel.

Abschließend möchte ich nur sagen, dass wir deutschen Fundamentalen unsere Stimme etwas lauter erheben müssen, denn das, was in unseren Kreisen an guter wissenschaftlicher und dennoch fundamentaler Arbeit getan wird, ist echt gut. Da können sich auch die Amis ne Scheibe abschneiden.

Markus
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3 Antworten to “Warum es nicht immer Spaß macht FUNdamental zu sein”

  1. Danny Says:

    Na, deinen Titel kenne ich doch irgendwo her:

    http://soomah.typepad.com/soomah/2005/01/warum_fundament.html#trackback
    😉

    Guter Artikel. Danke.

    Danny

  2. Danny Says:

    Oops, wohl ein Programmierfehler von Blogger, dass er die langen Links abschneidet. Hier der Link: http://soomah.typepad.com/ soomah/2005/ 01/warum_fundament.html

  3. kairos Says:

    Ooops – da habe ich wohl deinen Titel geklaut. Zum Glück nicht ganz und zum Glück habe ich nicht einen deinen Post kopiert.

    Aber wie ich merke, beschäftigen wir uns mit dem selben Thema – wie nimmt man die Bibel ernst ohne gleich FundamentalIST zu sein.

    markus
    P.S. Danke auch für deinen Artikel – vor allem für die coole Gleichung


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