Professionalität und Geistlichkeit

09. Jul 2005

In letzter Zeit beschätigt mich immer wieder die Wechselwirkung von Geistlichkeit und Professionalität.

  1. wegen meines Studiums: wenn man sich „beruflich“ mit Theologie beschäftigt, kommt man eigentlich nicht darum, sich über die Beziehung zwichen dem einem und dem anderen Gedanken zu machen
  2. wegen meiner Lektüre: Christian A. Schwarz „Die dritte Reformation“ (ich bin immer noch dran). Er hat meiner Ansicht nach gute Ansätze
  3. auch wegen des Kleingruppenheftes, das wir gerade zu lesen beginnen: „Geistliches Wachstum“ von Willow Creek

Jetzt fand ich ein gutes Bild dafür: Segeln

In dem Heft von Willow Creek beschreibt John Ortberg den Unteschied zwischen einem Motorboot und einem Segelboot darin, dass man beim Segeln den Wind nicht machen kann. Man kann nur lernen, den Wind zu nutzen.
Ähnlich ist es mit dem persönlichen geistlichen Wachstum und der Arbeit in der Gemeinde.
Wenn man einfach drauf los arbeitet, dann wird man getrieben. Anstatt Ziele anzustreben und zu erreichen, wird man nur hin und her geschubst. Das nennt man dann besonders geistlich – schließlich weht ja der Wind, wo er will. (Stimmt schon – nur kann es sein, dass ich nicht deshalb nicht vorwärtskomme, weil der Wind gerade nicht wind, sondern nur deshalb, weil ich die Segel gar nicht gehisst habe)
Wenn man andererseits vergisst, dass man vom Wind abhängig ist, dann wird man eventuell der Illusion erlegen, Wind machen zu können oder sogar meinen, dass man den Wind gar nicht braucht. Stellt euch mal das Bild vor: Da hockt einer im Segelboot [windstille] und meint zu segeln. Seine Begründung: er hat ja alles richtig gemacht: Segel gehisst, etc pp. und darum segelt er – So ungefähr verhalten wir uns, wenn wir meinen, Gott segnet die Arbeit, nur weil wir die „richtigen“ Programme aufgezogen hätten.

Diese Balance zu finden: Seinen Part gut zu machen, so gut man nur kann – und dann nicht zu vergessen, dass der Wind – also der Segen – trotzdem NUR von Gott kommt. Darin liegt glaub ich ein großes „Geheimnis“ – obwohl es ja eigentlich so offensichtlich ist.
Wenn ich so darüber nachdenke, dann komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass ein „Schlüssel“ im geistlichen Leben (Dienst), das „Bewusste“ ist. Also: bewusst sein Leben zu führen. Bewusst zu arbeiten, bewusst sich zu enstpannen, bewusst zu planen und bewusst spontan zu sein.
Um deutlich zu machen, was ich damit meine, füge ich nur kurz hinzu, was das gegenteil wäre: Zu arbeiten, weil man mit Arbeit überhäuft wird und nicht nein sagen kann; sich zu „entspannen“, weil man von der Glotzen nicht loskommt (meistens ist man nach so einer Session kapputter als vorrher); zu planen, weil „man das so macht“; spontan zu sein, weil man wenig bis gar nichts geplannt hat.

Also: nicht treiben lassen, sondern segeln …

… guter Gedanke – nur dass die Umsetzung sich immer als nicht so leicht darstellt.

Markus
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