Episode 1

31. Aug 2005

So Leuts,
ich fange am besten mal am Anfang an und erzähle mal meinen ersten Tag des Praktikums.
Nun der erste Tag fing eigentlich schon am Dienstag Abend an, obwohl mein Flug erst am Donnerstag war. Warum?

Nun ganz einfach: ich hatte noch meine NT-ProSeminar-Arbeit abzugeben. Deshalb verbrachte ich Dienstag die (mehr oder weniger) ganze Nacht an der Arbeit. Um 5 Uhr morgens am Mittwoch war ich dann (fast) fertig.

Wie ihr euch schon denken könnt, fiel es mir nicht sooo leicht am Mittwoch „Morgen“ aufzustehen. Um es kurz zu machen, ich wachte ungefähr Mittags auf. Na ja – eigentlich nicht so schlimm. Nur: ich hatte noch nicht gepackt. Außerdem sollte Gregor (mein jüngster Bruder) mich besuchen (er sollte schon früh kommen) und den Laptop, den mir eine meiner beiden liebsten Schwägerinnen geliehen hat, zum Laufen kriegen [heißt es eigentlich das oder der Laptop?]. Und dann sollte ich noch mit Waldemar (dem ältesten Bruder) eine Digicam für meinen Vater kaufen. Die durfte ich nämlich mitnehmen – in die Staaten. Ach ja – ich musste auch noch einige Unterlagen zum BAföG-Amt bringen. Und die machen um 12 zu.

Jo, ihr könnt euch also vorstellen, was in meinem Kopf vorging als ich sah, dass es zum Zeitpunkt des ersten Sichkontaktes mit meinem Wecker irgendwas nach 11 war. Genau. Das Wort fängt mit „Sch“ an und hört mit vier Sternen auf: „****“.
Also aufstehen, anziehen, Papiere zusammensammeln und ab zum BaföG-Amt. Dort ne Schlange – toll! Aber zum Glück ist dort einer meiner Kommilitonen. Dem habe ich dann das Zeug in die Hand gedrückt (Danke Micha!) und bin abgedüst. Ich hoffe mal, die Sachen sind angekommen.

So, dann nach Hause – was frühstücken.
Meinen Bruder angerufen, den ältesten – der meinte, wir würden so um dreie oder so ins Geschäft. Vorher soll ich mich schon mal ein wenig erkundigen. Dann den anderen – nicht erreichbar. Ne halbe Stunde später ne SMS – hat verschlafen (na ja, eigentlich nicht: er ist Informatiker – für ihn war es sozusagen mitten in der Nacht). Er kommt so um dreie. Cooles Timing, ne?

Also: Ich ins Internet – mich ein wenig umgeguckt und ins Geschäft gegangen. Eine Camera gefunden, die nicht schlecht zu sein schien. Dann zurück nach Hause – ich glaube es war schon etwas um drei. Meinen Bruder vom Bahnhof abgeholt. Ich glaube danach zu McDoof gegangen, ne, nen Döner gegessen.
O.k. dann das Laptop angeschmissen. Es lief – warum auch immer. Einige Treiber heruntergeladen und abgedatet – für alle Fälle (es läuft bis heute. Werde Computer nie verstehen).

In der Zwischenzeit mit dem anderen Bruder gesprochen. Der käme gleich vorbei. Als er dann da war, war’s irgendwas um 5. Nochmal ins Internet und sich umgeguckt. Dort noch ne zweite Camera gefunden. Dann ab ins Auto und nach Butzbach – zu Digitalo.
Unterwegs wollte Waldemar noch kurz zu Wal-Mart. Wir also hin. Zunächst brauchen wir ne halbe Stunde bis wir da sind, weil auf der „Anlage“[Innenstadtring] ne Baustelle war. Im Walt-Mart eingekauft (er lässt den Einkaufszettel im Auto;-) ). Dann nach Butzbach. Die hatten gerade die beiden Cameras, die wir uns anschauen wollten weggeschickt – um die Zeit werden bei Digitalo die Aufträge bearbeitet. Also ab nach Großen-Linden zu Alternate. Dort haben wir uns dann für die Kodak DX7440 entschieden und gekauft (gute Camera). O.K. Waldemar ließ mich dann in Gießen beim Bowlingcenter raus – wir hatten als Hauskreis gebowlt (hatte ich in der Aufzählung oben ganz vergessen). Als wir dann fertig waren, rief ich Waldemar an und ließ mich abholen, damit ich die Digicam abholen konnte und meiner Schwägerin dann noch mal Tschüß sagen konnte. Ca. um 12 war ich dann zu Hause.

Ich musste noch die Arbeit endgültig bearbeiten und packen.
Also: zunächst habe ich die Arbeit beendet. Noch drei Seiten oder so gekürzt, Rechtschreibfehler korrigiert etc. Beim Probeausdruck stellte ich fest, dass meine Druckerpatrone fast leer war. Murhpy!
NA ja – ich musste ja eh erst packen.

Ach ja. Zwischendurch versuchte ich mein Adressbuch vom PC (Kmail) auf Laptop (Thunderbird) zu transportieren. Außerdem wollte ich einen Großteil der Dateien auf die 2,5“-Festplatte bringen, damit ich sie in den Staaten benutzen konnte. Warum auch immer: es ging nicht. Also habe ich zumindest die Ooo-Dateien auf CD gebrannt.
O.K. mittlerweile war es schon irgendwas um 5 Uhr morgens. Wenn ich mich da hingelegt hätte, wäre ich nicht mehr aufgestanden.
Also machte ich noch die letzten Vorbereitungen, schrieb ein paar Emails und ging duschen.
Um halb 8 dann ab zur FTA. Habe dort die Arbeit ausgedruckt (Ich liebe die PDF-Funktion von Ooo) und um 8 ins Fach von Dr. von Siebenthal gelegt. Noch kurz bei Toom vorbei und ne Flasche Wasser für den Flug gekauft.

Dann nach Hause, was zwischen die Kiemen geschoben, glaube ich und ab nach Huttenberg (oder so) – ich wollte meine Handy updaten. Betonung auf wollte. Als ich dort ankam hieß es: „In zwei Stunden oder so ist es fertig“ – Äh, da wollte ich schon auf dem Weg nach Frankfurt sein. Also nichts mit Softwareupdate. Naja.
Daraufhin fuhren wir mit Gregor gleich nach Gießen zum Bahnhof. Ca um 11 waren wir auf dem Flughafen. Ich habe möglichst früh eingecheckt und dann wollten wir noch ne Kleinigkeit essen. Am besten bei McDoof. Doch der war nicht zu finden – hatte wohl Ausgang am Donnerstag. Egal, halt was anderes gegessen.
Dann noch schnell bei der Deutschen Bank ein paar Dollar geholt und ab durch die Sicherheitskontrolle.

Ging alles glatt. Musste keine blöden Fragen beantworten. Nach noch einmal einer halben Stunde warten (bloß nicht zu lange sitzen, sonst schlafe ich ein!) ging’s ab ins Flugzeug. Nach dem Rat meiner Schwägerin und meines Bruders habe ich einen Platz am Gang reserviert – musste zum Glück außer für Zähneputzen und Pipi nicht auf’s Klo.
Wobei: wenn das Flugzeug sich plötzlich um ein paar feet hob oder sank kann einem schon etwas mulmig werden – oder wenn es dreht und du dabei aus dem einen Fenster nur Himmel und aus dem anderen die Stadt unter dir siehst – das ist schon etwas komisch.
Ich habe dann aus dem Fenster geschaut. Das hilft (mir zumindest).
O.K: nach dem Start, als wir einige Tausend feet unter uns hatten (Maximum waren ca 11 km Flughöhe und über 800 km/h) dachte ich: Endlich schlafen!!

Ungefähr drei Stunden habe ich insgesamt geschlafen – im Höchstfall. Egal. Passte eigentlich ganz gut. Denn als ich aufwachte, war es nach California-Zeit früher Morgen.
Also habe ich „Miss Undercover 2“ und einen Bollywood-Schinken gesehen (ich flog mit Air India), zig indische Musikvideos (sind alle gleich) und hunderte von witzigen Shows angeguckt. Meistens ohne Sound. Hätte auch nichts gebracht, da ich kein Indisch verstehe. Aber da ich nur zwei Reihen vom Monitor entfernt war, musste ich sozusagen hinschauen. Irgendwann nervt’s.
Pünktlich um 16:00 erreichten wir LAX – also den Flughafen von Los Angelos. Irgendwie ist so ne Landung schon cool. Wenn du auf die Anzeigetafel siehst, wie viel Meter pro Sekunde du an Höhe verlierst – krass.

Dann rollten wir zum Terminal – und blieben sitzen. Ungefähr ne Viertelstunde. Kommt ne Durchsage, dass die Rechner am Airport abgestürzt sind und die noch ne Weile brauchen. Als chronischer Linuxbenutzer machte ich natürlich ein paar Witze über Windows und dachte an die Nachricht auf tagesschau.de über den neuen Wurm für Windows 2000.
Als wir dann endlich rausdurften und zu den Kontrollposten kamen, sah ich den Startbildschirm von Windows XP aufblitzen und lachte mich innerlich kaputt. Überall Menschen. Vor uns waren schon zwei Flugzeuge (glaube auch Jumbos, so wie unserer) und nach uns kam mindestens noch einer. Hunderte von Menschen warteten, bis sich was tat. Ich glaube, dass sich meine Schlange eine Stunde lang gar nicht bewegt hat. Zumindest haben uns die Leute dort Wasser und Apfelsaft ausgeschenkt. Dann fing sich langsam etwas an zu bewegen. Kurz vor sieben, glaube ich, kam ich dann endlich dran. Hatte leider die falschen Formulare. Die im Flugzeug hatten mir die einfach in die Hand gedrückt. Woher sollte ich wissen, dass ich andere brauche.

Also neue Formulare geholt und nächste Kontrolle. Fingerabdrücke hinterlassen und nettes Foto machen lassen. Da fällt mir ein: ich wollte ein Foto von dem Massenauflauf machen. Aber kaum hatte ich die Digicam wieder ausgeschaltet, kam ein netter Herr und bat mich, es zu löschen. Das nächste mal mache ich es ohne Blitz, dann sieht’s keiner.
O.K. kurz nach 19 Uhr – vielleicht auch schon halb 8 bin ich dann endlich raus. Und:
Keiner Da!!!
In der ganzen Halle wartet niemand auf mich. „Sch“ und „****“ ihr wisst schon.
Was nun?

Hatte dummerweise (war schon zu müde gewesen, um das zu tun) nicht die Telefonnummer vom Pastor aufs Handy gespeichert. Nur die Adresse von der Kirche. Warum auch: die würden mich ja abholen.
O.k. ich an das nächst Telefon und versucht die Nummer herauszukriegen. Vergiss es: du hörst nichts. Die nuscheln was ins Telefon und in der Halle ist’s so laut. Keine Chance. Na ja, nach drei Anrufen hatte ich dann die Nummer. Also rufe ich die Kirche an: Bandansage. Leise wie sonst was.
Also ich an mein Handy (Hatte ich schon erwähnt, dass ich es nicht voll aufgeladen hatte am Tag davor? Ne? Um’s kurz zu machen. Ich hatte nur noch einen kleinen roten Balken. Das ist nicht viel).
Als ich die Handynummer vom Pastor hatte ging’s Handy ganz aus. Toll!

Da ich etwas verwirrt in der Gegend herumlief, fragte mich einer, ob ich Hilfe brauche. (Nach etwa 42 Stunden ohne bzw. mit seehr wenig Schlaf muss ich ziemlich verwirrt ausgesehen haben.) Ja, brauchte ich, und zwar dringend. Nachdem er über sein Handy anrief und die Ansagen auf dem Band von der Kirche auch nicht verstand war ich zwar etwas erleichtert, was meine Englischkenntnisse anbelangt, aber nicht viel froher, was meine Nacht in Los Angelos anbetrifft.
Schließlich meinte er: Nimmt ein Prime-Time-Shuttle. O.k.: ich Geld abgehoben (passt gerade so) und aufs nächste Shuttle nach Santa Clarita gewartet.
Ne dreiviertel Stunde später saß ich dann drinne und nachdem der Fahrer erstmal nachgeschaut hatte, wo das ist, fuhren wir hin. Santa Clarita ist jo sowas wie ein Vorort von L A. Aber es dauert trotzdem Ewigkeiten, bis du da bist. (Über die Free- und High-Ways werde ich demnächst noch mehr berichten).

Ungefähr um halb 10 p.m. kam ich dann an der Santa Clarita Baptist Church an. Zum Glück waren da Leute da. Ich hatte schon befürchtet auf Türschwelle übernachten zu müssen. Ich laufe als zur nächsten Gruppe von Teens, die da rumsitzen und in stammelndem English irgendwas von wegen ob sie hier von der Kirche seien, denn ich sei aus Deutschland und würde gerne mit jemanden von der Kirche sprechen.
Die nur: ne, also wir sind aus Alaska. Ich denke nur so: Klar, Alaska! Und ich bin ein Mounty! Wollt ihr mich verar***** (ich brauche viele Sterne dieses mal). Die dann weiter: Doch wir können jemanden holen. JA – das wäre nett!!!
[Es stellte sich heraus, dass es eine Gruppe Teenies aus Alaska war, die auf einer Art Jüngerschaftsfreizeit hier waren. Wären die nicht hier gewesen, wäre die Kirche zu und ich hätte wirklich auf dem Rasen vor der Kirche pennen können – Gott, danke dir!!]
Die holen dann den Jugendpastor und der rief dann gleich den Seniorpastor an. Geschafft!!
Fast. Der nahm mich gleich zum wohl noch einzigen offenen Restaurant in der Stadt und fragte mich tausend Sachen. Und ich dachte nur: Bett – wo ist mein Bett???!!!!

Dann irgendwann um 11 p.m. (also 23:00 Uhr) war ich im Bett und habe bis zum nächsten Tag um 11 a.m. (also 11:00 Uhr) gepennt.

Das war er. Mein erster Tag in den Staaten. Etwas spektakulär und zieeeemlich lang. Aber nun bin ich hier und genieße es. O.k JETZT genieße ich es. Aber davor kam noch die Erkältung und so – doch davon später.

CU
Markus
<><

2 Antworten to “Episode 1”


  1. Hi Markus,

    Hammer-Tag(e). Spannend zu lesen. Hoffe dein Praktikum wird gut.

    Wie lange bleibst du dort?

    Gruß

    Johannes

  2. kairos Says:

    Danke, das waren es wirklich: spannend!
    Ich bleibe bis zum 12.Oktober. Hoffe jedoch, dass der Rückflug weniger spannend wird.

    markus


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