die letzten zwei wochen

04. Okt 2005

Da es schon etwas länger her ist, dass ich hier etwas gepostet habe (also ich meine, irgendwas zum Thema Praktikum) will ich das hiermit nachholen.

Womit fangen wir an? Ah ja, das Master’s College (TMC).

In der Woche vom 19 bis zum 25 September war ich insgesamt vier Tage im TMC. Das TMC hat ca 1000 Studenten in 6 oder 7 Studienfächern (Major). Der größte Anteil der Studenten belegt Biblical Studies (mit den Schwerpunkten [minors] Exegese, Seelsorge, Jugendarbeit, Mission …) als Major.
Daneben sind noch Pre-Med (also eine Art vorstudium fürs Medizinstudium), Business wund Pädagogik ziemlich hoch im Kurs. Es gibt dann auch noch Musik und Mathe und Bio, glaube ich.
Meiste Zeit war ich natürlich bei den BS-Leuten.

Ich habe einige Klassen besucht, wie z.B: Biblical Counseling (Biblische Seelsorge), Galater-Exegese, Einleitung ins NT etc. Daneben habe ich mit einigen Leuten gesprochen. Z.B. mit dem Leiter für Biblical Studies, mit dem Dekan des MC, mit Lisa LaGeorge (verantwortlich für Internationale Studenten), mit dem Studienleiter (VicePrecident for Academic Affairs [ich denke mal, dass es so was wie der Studienleiter ist – aber ihr dürft mich auch gerne korrigieren]) und auch dem Prof für Biblische Seelsorge.

Einige Beobachtungen:
Viel Neues habe ich dort nicht gehört und vom Niveau her ist es auch irgendwo zwischen Bibelschule Brake und FTA anzusiedeln. Mal eher BSB mal eher FTA. Das liegt natürlich auch daran, dass es ein College und kein Seminary ist. Das heißt, dass die meisten Studenten (ca 950 von 1050) nur auf Bachelor-Ebene studieren.
Außerdem liegt es auch daran, dass man im College neben den Major-Fächer (also z.B. Exgesen etc) viele Grundfächer belegen muss, wie z.B: Mathe, Englisch etc.
Es ist also anders als an den Unis/Hochschulen bei uns, wo man praktisch nur die Fächer studiert, die für die jeweilige Fachrichtung relevant sind. An den Colleges hier wird also die Allgemeinbildung von der Highschool noch etwas weitergeführt.

Für mich wäre also vielleicht der Besuch beim TMS (The Master’s Seminary) interessanter. Denn das ist ein postgraduenten-Studium (also man hat Bachelor und studiert auf Master-Ebene).

Weiter:
Die Leute hier sind (wie ich es gehofft habe) nicht ganz so engstirnig. Im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, mit denen ich in der Zwischenzeit hier gesprochen habe, hat z.b: der Seelsorge-Prof die Psychologie nicht ganz und gar verworfen, sondern nur deutlich gemacht, dass die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Psychologie immer an der Bibel gemessen werden müssen, bevor wir sie in die Seelsorge übernehmen. Oder noch besser: wenn wir einen neuen Trend in der Psychologie entdecken, sollten wir uns selbst eine eigene Meinung bilden – dabei dürfen wir die Fakten aus der Psychologie durchaus – wenn auch mit Vorsicht – verwenden. Im Großen und Ganzen das, was ich auch sage.

Außerdem habe ich festgestellt, dass unsee Fächer an der FTA sehr gut sind – z.b. die Exegese bei Siebi (äh, ich meine natürlich Dr. Henry von Siebenthal). Als ich der Vorlesung über Galater saß, habe ich mir gedacht, dass wir wirlich eine gute Ausbildung bei ihm erhalten haben. Danke Siebi, äh – Dr. von Siebenthal!

An zwei Tagen war ich auch in der Andacht (für Braker) / im Plenum (für FTA’ler) – also in der Chappel.
Der erste Schock: Es gab Lobpreis mit Schlagzeug, Bass- und E-Gitarre.
Einerseits war ich erleichtert [denn es hat mir gezeigt, dass die Leute hier nicht ganz so verbohrt sind, wie ich befürchtet habe], andererseits war ich etwas sauer.
Denn wenn Rick Warren Gitarren einsetzt, dann ist das Pragmatismus, wenn es das TMC ist, dann ist das die christliche Freiheit (sorry für den Sarkasmus).

Das Thema in dieser/n Woche/n ist Kirchengeschichte. Am Freitag hat David Bosworth über die Frage geredet, warum die Reformatoren fast nichts in Richtung Wetlmission unternommen haben. Als er mir diese Frage am Dienstag stellte nannte ich drei Dinge:

  • Sie hatten anderes zu tun (ihren Glauben verteidigen etc.)
  • sie waren Kinder ihrer Zeit (habe ich von Kotschi geklaut) und haben einfach nicht daran gedacht
  • teilweise war auch ihre Theologie schuld(Hypercalvinismus) [besonders in 2. und 3. Generation (bitte nicht Calvin in die Schuhe schieben – der war sehr evangelistisch)]

So war ich dann am Freitag (positiv) überrascht, diese drei Punkte in seinem Vortrag zu finden (neben vier anderen). Und besonders die Formulierung: „Sie waren Kinder ihrer Zeit und wir sind Kinder unserer Zeit“ und müssen aufpassen, dass wir nicht genauso blind für die Fehler unserer Zeit sind, wie die Reformatoren für die Fehler ihrer Zeit waren.
Hat er mir gegenüber dann auch zugegeben, bei mir geklaut zu haben – Ist o.k., habe ich ja auch von Kotschi geklaut😉

Soviel zum Thema TMC (Schaut einfach mal auf deren Homepage vorbei!)

Am Samstag war ich im Magic Mountain Park: einfach krasse Achterbahnen. Bei einer bin ich fast ohnmächtig geworden. Ich weiß nicht wieviele g da auf das Hirn drücken – es muss schon gewaltig sein, was sich da ansammelt.

Am Sonntag habe ich dann meine erste Sonntagschulstunden über Psalm 139 gehalten. Das eigentliche Thema ist Gottes Eigenschaften. Da ich vor hatte, die Kids arbeiten zu lassen, habe ich Psalm 139 ausgesucht und werde anhand des Psalm über Gottes Allwissen und Allgegenwart sprechen.

Am ersten Sonntag habe ich ihnen ein paar Tipps gegeben, wie man hebräische Poesie lesen sollte (ihr wisst schon: mit Parallelismen und so) und wir sind dann Vers für Vers durchgegangen, um sozusagen ein Extract in heutigem Englisch zu erstellen. Damit hoffte ich, den Kids den Inhalt wirklich nahe zu bringen.
Sie haben nach einigen Minuten Aufwärmzeit ganz gut mitgemacht und ich habe von ein, zwei Leuten eine positive Rückmeldung bekommen.

Am Abend dann habe ich eine spontane Einladung erhalten, als Betreuer mit nach Ironwood zu gehen. Ironwood – the broken I ranch ist ein christliches Camp mitten in der Mojave-Wüste. Es ist nicht weit von Nevada (ca. 120 Meilen von Las Vegas).
Dorthin sind die Schüler der Highschool (also 9 – 12 Klasse) gefahren. Das machen sie jedes Jahr als eine Art Mischung zwischen einer geistliche Besinnungswoche und eine Klassenfahrt.
Dementsprechend gab es gemischtes Programm: Viele Spiele, viel Spaß aber auch richtig gute Andachten und fast schon charismatischem Lobpreis (schon wieder so etwas, was ich hier nun gar nicht erwartet hätte – zumindest gab es kein Schlagzeug😉 ).

Das Camp an sich wird von konservativen Südstaaten-Gemeinden getragen. Mit konservativ meine ich: Kein Schlagzeug, traditionelle Musik (den charismatischen Worship-leiter hat die Schule mitgebracht), kein gemischtes Baden etc. pp. Also wirklich konservativ (oder besser: traditionell/traditionalistisch).
Dafür gibt es in diesen Gemeinden wohl auch Arminianer (ts ts) – hat mir zumindest einer der Lehrer erzählt, der wohl auf einem College derselbe Ausrichtung gewesen war.
Was lernen wir daraus: nicht alle US-Christen sind John McArthur-Fans. Auch hier gibt es Arminianer und Calvinisten …
Wenn es darum geht Jugendliche zu begeistern, greifen dann die Leute dann doch zu jugendlichen Liedern und Spielen [ich finde es ja auch gut – nur hätte ich es nicht auf dieser Schule erwartet].
Ach so: auf diesem Camp gab es auch etliche Workschops. Eines davon:
Schießen (ne, nicht Fotos, sondern Bogen, 22mm-Kaliber und Shotgun), kein Witz!
Was lernen wir DARAUS?
Nun: traditionell ist nicht gleich traditionell. Oder kann sich einer von euch vorstellen auf einem deutschen Jugendcamp (sagen wir Brake / WDL / Wiedenest) oder sogar einem Polnischen SCHIESSWORKSHOPS zu veranstallten. Ich nehme an, dass du als Leiter schneller nach Hause fahren ‚dürfest‘, als du „Full Metal Jacket“ sagen kannst. [Mal abgesehen davon, dass es rechtlich kleine Probleme gäbe].
Das Lustige: als ich denen gesagt habe, dass das auf einem christlichen Camp in Deutschland sowas nicht geben dürfte schauten die mich ziemlich verständnislos an.
Soll ich lachen oder weinen? keine Ahnung.

Die Woche (oder besser die drei Tage) waren an sich ganz gut. Es gab viele gute Möglichkeiten Spaß zu haben; die Leute dort sind echt kreativ, was neue Spiele angeht. Die Messages waren auch sehr gut – ich muss zugeben, dass ich überführt worden bin, die ganze Sache mit Gott und so etwas zu locker zu nehmen.
Habe darum die Entscheidung gefällt, das alles wieder ernster zu nehmen. Denn trotz allem schönen und lockerem und dem erlaubten Spaß sind wir immer noch mitten im geistlichen Krieg – und das will ich nicht vergessen!
[auf dem Weg raus aus dem Camp Richtung Highway standen viele Schilder, die – wenn man sie alle las – ungefähr folgenden Inhalt hatten: „Es sagte einmal jemand zu einigen Leuten, als er sie verlassen hat/musste: Was zählt, sind nicht deine Entscheidungen, sondern ob du in dem, was du tust, ausdauernd bist und bleibst“. Echt gut. Es war eine Bibelstelle dabei – aber ich habe es nicht ganz erkannt welche – ich weiß nur, dass es aus einen der Timotheusbriefe war (vielelicht 1Tim 4,16 oder 2Tim 4,6ff – oder so).]

Es gab aber einen Wermut-tropfen in dem Ganzen:
die Jungs in meiner Hütte, als deren Betreuer ich eingesetzt war, hielten nicht soviel davon, mich als ihren Betreuer zu haben. Da ich sie gar nicht kannte (und sie mich nicht), da ich auch – wenn sie nuschelnd und total schnell miteinander geredet haben (vielleicht noch halb slang) – nicht viel verstand, war es echt schwierig, an sie ran zu kommen.
Wahrscheinlich können sie mich nicht leiden, da ich sie pünktlich ins Bett geschickt habe – ist auch egal – bin bald weg😉

So, kommen wir zum Sonntag.
Ich hatte Teil zwei der Sonntagschule – Also Gottes Allwissenheit (sagt man das so auf deutsch? – wenn nicht: Gottes Omnisciens / God’s omniscience)
Die Kids haben wieder gut mitgemacht und ich denke, sie haben einiges mitgenommen.

Am Abend (also gestern Abend) habe ich dann mit Hilfe einer Präsentation etwas über Deutschland, Polen und meine Ziele nach dem FTA-Studium berichtet. Es waren wohl so 10 bis 15 Minuten. Einige Leute haben dann auch noch weitere Fragen gestellt. War ganz nett. Ach ja: Es gab gemeinsames Dinner/Abendessen in der Gemeinde. es waren wohl so um die 80 bis 100 Leute da (vielleicht auch etwas mehr) und es war wirklich ne nette Atmosphäre.
Zum Abschluss habe ich dann einen kurzen Gedanken zu Philipper 2,5-11 (Jesus erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz) und dem Lied „The Servant King“ weitergegeben.

Zum Schluss haben sie eine Kollekte für mich eingesammelt – der Pastor hat mir gerade gesagt, dass es insgesammt ca 800 Dollar sind – Cool! Damit kann ich das neue Laptop fast ganz bezahlen!

Danke, Gott, and thank you, Santa Clarita Baptist Church!

Sorry, dass ich diesmal keine Fotos drauf habe – schaut einfach mal auf meinem flickR-Account vorbei.

Bis denn

Markus
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