Blueprint leadership seminar

07. Okt 2005

So,

da bin wieder. Was wollte ich? Ach ja, das Blueprint leadership seminar.

Also gestern war die Gemeinde Gastgeber für das Blueprint seminar, das von einem Ehepaar aus Chicago durchgeführt worden war. Soweit ich das verstanden habe, sind sie unterwegs im Auftrag des Baptistenbundes und führen diese Seminare durch.

Es war ganz gut. Das Wort Blueprint heißt auf deutsch Blaupause. Blaupausen sind Konstruktions- /technische Zeichnung, die wegen des bläulichen Aussehens Blau-Pausen genannt wurden/werden.

Die Idee dahinter ist folgende. Wenn man ein Gebäude (z.B. eine Kirche) baut, hat man zunächst die Idee, an Hand derer man den Entwurf erstellt. Dieser Entwurf aber ist nicht detalliert genug für die Maurer, Zimmerleute etc. Man erstellt darum Konstruktionspläne, an Hand derer das Gebäude erstellt wird. Blaupausen eben.

In der Bibel haben wir den Entwurf für eine gesunde Kirche: es ist die Gemeinschaft von gläubigen und vor allem geistlich reifen Menschen. Doch wir als Leiter müssen nun einen Weg finden von unserer augenblicklichen Situation zum diesem Ziel zu gelangen. Der Gedanke ist, dass der Entwurf eben zu allgemein ist und wir eine Blaupause brauchen um zu wissen, welche konkreten Schritte wir unternehmen sollen. Das heißt:
wir wissen, dass ein geistlich reifer Mensch anderen dient. Wir wissen also, dass wir unsere Gruppe / die einzelnen Menschen in ihr an diesem Punkt weiterführen wollen. Wir nehmen uns ein konkretes Ziel vor und erstellen einzelne Schritte dahin.

Das biblische Bild eines geistlich Reifen Menschen ist der Entwurf, unsere Schritte die Blaupause.

Nun – für jeden Braker und FTAler wird das nichts neues sein. Es ist eine Mixtur aus Gemeindepädagogik mit M Rüther und Gemeindepraxis mit Michael Miezal (oder jetzt wohl HW jr, oder?).
Warum also habe ich das alles aufgeschrieben?
Nun um zu etwas zu verdeutlichen.

Diese Kirchen hier sind sehr darauf bedacht, nicht pragmatisch zu sein – auch nicht die modernen Wissenschaften wie Psychologie oder moderne MEthoden aus dem Managment oder Marketing zu benutzen. Das Lustige ist, dass sie, wenn es an die Praxis geht doch nichts anderes machen. Sie benutzen Erkenntnisse aus der Pädagogik und (in diesem Fall) aus dem Managment. Was die Bluprint-Leute gemacht haben war nichts anderes als die altbekannte SMART-Methode (Ziele müssen Spezifisch, Messbar, … sein). Etwas, das – meines Wissens nach – alte Managmentmethodik ist.

Warum tun sie das? Nun, weil in der Bibel konkrete Schritte fehlen. Wir wissen wohin wir die Menschen führen. Sie gibt uns auch einige Hinweise wie wir sie dahin führen sollen – doch im alltäglichen Leben, in der Praxis der Gemeinde kommen wir doch nicht drumrum, genau dies Schritte aus dem Managment anzuführen.
Ist es schlecht – nein, of course nicht.
Warum? Ist es nicht Verrat? Ist es nicht vermischen von menschlicher Philosophie mit Göttlichem Evangelium? Nein, es ist es nicht.
Was ist es dann?
Ganz einfach: Es ist Weisheit. Weisheit ist, das Leben klug zu meistern, biblische Weisheit ist, es in Übereinstimmung mit Gottes(=biblischen) Maßstäben zu meistern.

Wenn du die Alttestamentliche Weisheit mit Ägyptischer, Altorientalischer Weisheit vergleichst, wirst du Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellen.
Ähnlichkeiten sind da, weil das Leben gleich ist. Wir leben als Menschen unter Menschen, haben mit den selben menschlichen Problemen zu kämpfen. Wir erleben das selbe Wetter, … Darum finden wir die selben Lösungen für Probleme.
Unterschiede, weil wir beim Lösen der Probleme nicht nur unseren Verstand, sondern auch Gottes Gebote einbeziehen. Wir tun, was wir tun, nicht nur um unser Wohlergehen willen (das sicher auch), sondern auch – und hier sollte unser Schwerpunkt liegen – um Gott zu ehren. Darum findet ihr in der AT-lichen Weisheit Sätze wie: „Den Herrn ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit.“ (Sprüche 1,7)

Also: genauso wie damals auch Nichtjuden auf gute Lösungen kommen konnten, genauso können auch Nichtchristen auf gute Lösungen kommen. Sie studieren zum Beispiel das Verhalten des Menschen und machen richtige Beobachtungen und manchmal auch richtige Schlussfolgerungen. Diese Beobachtungen (und auch die richtigen Schlussfolgerungen) gelten dann auch in der Kirche, weil auch hier Menschen sitzen und Gott alle Menschen gleich gemacht hat.

Die Unterschiede ergeben sich aus der Tatsache, dass die Anthropologie (also das Menschenbild) der sekulären Forscher falsch, weil meistens humanistisch ist. Das biblische Menschenbild zeigt uns ein in mancher Hinsicht anderes Bild vom Menschen. Die Bibel zeigt, dass der Mensch verdorben ist – doch sie zeigt auch, dass er als Geschöpf Gottes zu klugen Handlungen fähig ist – auch wenn die Motive bei einem Nichtchristen (und ich meine nicht nominelle Zugehörigkeit zu einer Kirche, sondern die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist) nie rein sein werden.

Apropo HG: Der ist auch ein Grund dafür, warum manche Erkenntnisse aus der humanistischen Wissenschaft nicht auf die Gemeinde übertragen werden können: Der HG ‚funkt‘ manchmal dazwischen und dann nützen die besten Statistiken nichts.

Doch Sachen wie Kommunikation, Lernfähigkeit etc. ändert sich nicht grundsätzlich. Darum kann ich die Ergebnisse übernehmen, wenn sie nicht auf falschen Voraussetzungen beruhen. Das Beste wäre also, wenn wir als Christen unsere eigene Pädagogik, Psychologie betreiben würden – also wirklich empirische Wissenschaft auf Grundlage des biblischen Menschenbildes. Zu oft ist nämlich „christliche“ Psychologie etc. nichts anderes als humanistische mit einem christlichem Anstrich.

Um es klar zu machen: ich habe nichts gegen Psychologie (die Wissenschaft), nur etwas gegen humanistische Psychologie. Und um es auch klar zu machen: JEDE Wissenschaft beruht auf einem Paradigma – ob es humanistisch, buddhistisch, biblisch, etc. ist. Darum wird es nie einfach nur Psychologie geben, immer nur humanitische, biblische etc. Psychologie (Das lässt sich auch auf Pädagogik etc. anwenden).

So, warum schreibe ich hier so ne lange Abhandlung darüber?
Weil das der letzte Puzzlestein in meinen Überlegungen war. Während all der Zeit hier habe ich darüber nachgedacht, ob unser Braker / FTA-Ansatz falsch ist. Also: ist es falsch Erkenntnisse aus Managment, etc. zu übernehmen – also letztlich außerbiblisches Wissen? Für die meisten Lebensbereiche wird damit niemand Probleme haben – aber was ist mit Gemeindebaut / Mission etc.?

Nun – hier scheiden sich die Geister. Die Kirchen hier (also die Generall Association of Regural Baptist Churches) oder die Kirchen um McArthur (was sich in Südcalifornien zum Teil überschneidet) sind der Ansicht, dass das nicht erlaubt ist.
ABER – und das war meine Erkenntnis während der nun sieben Wochen hier: Sie tun es trotzdem. Wenn es um Evangelisation geht, dann hört man Sätze wie: „Wir führen Kindermusical durch weil es funktioniert. So lassen sich die Leute einladen.“ Oder wenn es dann um das Planen von Aktionen geht greift man zur altbewähren SMART-Methode.

Warum: weil die Bibel über das WIE oft nichts oder zu wenig sagt und weil Gott – meine Überzeugung – uns den Verstand zum Denken und nicht nur zum Wärmeaustausch gegeben hat. Und versteht mich nicht falsch. Ich denke nicht, dass das ein Manko der Bibel ist, sondern ein Riesenvorteil: Gott will, dass wir die Methoden wählen, die für unsere Zeit, unsere Kultur angemessen sind und seinem heiligen Charakter entsprechen. Darum will er, dass wir ARBEITEN. Ansonsten wäre es ja leicht – doch das ist es nicht; erfordert Grips, Weisheit und Demut, immer wieder dran zu bleiben und das alles unter einen Hut zu kriegen. Doch – das ist o.k. so und darum haben wir auch den Heiligen Geist.

Ich denke auch, dass Paulus (und andere Männer aus der Bibel und der Kirchengeschichte) auch Managment-, Marketing- und andere Methoden angewandt haben und dass wir es in der Bibel finden können. Das zu sagen, heißt nicht, dass ich diese in die Bibel hineinprojiziere, sondern dass ich anerkenne, dass alles Intelligente und wirklich weise, was die Menschen „erfinden“ können sowieso von Gott in sie hineingelegt worden ist (nein, keine übernatürliche Inspiration, sondern die natürliche Veranlagung bei der Schaffung der Menschen). Wann auch immer also jemand etwas intelligentes schreibt, das sich mit der Bibel in Übereinklang bringen lässt, ist es also ein „menschliches Naturgesetz“ (wie z.b. dass wir besser arbeiten können, wenn wir ausgeschlaffen sind – ja ich weiß, ist trivial) – das darum mit der Bibel übereinstimmt und das wir deshalb benutzen können: WEIL GOTT SO DEN MENSCHEN GESCHAFFEN HAT. Und Gott hat alle Menschen gleich geschaffen, darum sind empirische Erkenntnisse möglich und jeder, der sich die Mühe geht, ihnen sorgfältig nachzugehen, wird sie finden.
Und manche davon finden wir in der Bibel – und andere nicht. Gott wollte uns auch etwas zum „erfinden“ lassen. Sonst wäre es ja langweilig ;°)

Also:
Ein gutes Seminar (wenn auch nichts oder nicht viel Neues) – und ich hoffe, dass die GARBC es irgendwann kapiert, dass sie doch nicht so ganz ohne die empirischen Wissenschaften und „menschliche“ Weisheit auskommen können, wie sie es jetzt noch offiziell sagen. Ich hoffe auch, dass die nächsten Generationen es verstehen werden, diesen Spagatt besser zu leben, als wir es heute oft tun.

Markus
<><

4 Antworten to “Blueprint leadership seminar”

  1. soomah Says:

    enjoying your posts. referring to this post: all truth is gods truth. As Augustine said: Steal the gold of the Egyptians!

    Danny

  2. kairos Says:

    jup, the problem is, that we not allways know if some scientific conclusion is really truth or just actual state of affairs (stand der dinge).
    So I agree with you, but we should never forget, that the benchmark for truth is God’s Word.
    and there is this thing with communication, I mentioned before …

  3. Danny Says:

    sure we don’t… we’ll never be sure on our epistemology (100 per cent sure knowledge). but it’s too easy to say: ok, i’ll trust gods word – because interpretation precedes knowledge!!

    „the benchmark for truth is God’s Word“ …definitely not always! i know what you mean, but Gods word will never (!!) be the benchmark for the truthfullness of 2+2=4. And it doesn’t want to be. So now we’re talking about a foundationalist philosophical groundwork that a lot of modernist (and fundamentalist) theologians took over. too bad. „we only believe gods word“ is a naivé, simplistic statement a lot of christians believe and that every christian denomination (and cult) holds to – forgetting their own presuppositions (which bible interpretation?) It’s not that easy to say as they do.

    D. A. Carson wrote a book called „The Gagging of God“ that speaks about this kind of stuff. Basically he says: We should be humble enough to say ‚OK, we can’t know anything 100 per cent for sure‘, but not take over a nihilistic worldview that says that we can’t know anything. We can’t know anything for sure, but at least we can know something! This is where gods own disclosure and revelation comes in.

    The bible verse that helped me out most was: „let God be true and every Man a liar.“ (rom3:4)

  4. kairos Says:

    yo yo yo, you’re right man,

    what I said about God’s Word being the benchmark for truth, I said for the case that God’s word and some kind of science deal with the same toppic. Then we have to decide according to what the bible says about – e.g. the man – if the science (psychology) is right in this point or not. but of course sometimes the contrast we think of is not a contrast at all – we just don’t have enough knowledge to see, that it fits together. or – on the contrary we think some conclusion of science fits with bible because we don’t see the further conclusions and consequences of this toppic


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: