Sprachenrede bei John MacArthur

29. Dez 2005

In diesem Artikel beziehe ich mich auf John MacArthurs Artikel auf: http://www.gracechurch.org/home/doclib.asp?ministry_id=1&dlcat=Distinctives
Jon MacArthur führt in seinem Artikel mehrere Argumente auf. Einige sind historischer Natur, andere exegetischer Natur.

Zuerst möchte ich die historischen Argumente betrachten, die meiner Meinung nach nicht so viel Gewicht haben. Anschließend die exegetischen Argumente, die viel gewichtiger sind

historische Argumente

Chrysostom and Augustine—the greatest theologians of the eastern and western churches—considered tongues obsolete.

Auch die beiden können sich irren.

All of those supposed manifestations of tongues were identified with groups that were heretical, fanatical, or otherwise unorthodox.

Erstens halte ich diese Darstellung für sehr verkürzt, und zweiten sagt eine falsche Praxis nicht über die Theologie aus. Nur weil die Menschen die Bibel falsch benutzen, heißt es nicht, dass die Bibel falsch ist.

Most non-charismatics insist that tongues have already ceased, passing away with the apostolic age. Who is right?“

Diese Aussage ist falsch und auch dann wäre es kein Argument, dass die Bibel überwiegen würde.

They had ceased, as the Holy Spirit said they would (1 Cor. 13:8). The gift of tongues is not for today.

An dieser Stelle müssen wir die Exegese von 1. Kor 13.8 näher betrachten. Wenn die Exegese falsch ist, dann ist auch eine angeblich historische Tatsache kein Beleg dafür.

Nun also zu den exegetischen Argumenten:

From A.D. 58 to 96, when John finished the book of Revelation, no miracle is recorded.“

Dieses Argument ist ein Argument e silencio und darum nicht gültig.

Two later epistles, Ephesians and Romans, both discuss gifts of the Spirit at length—but no mention is made of the miraculous gifts.

Das ist wieder ein Argument e silencio

By that time miracles were already looked on as something in the past (Heb. 2:3-4).

Ja es stimmt, dass die Wunder hier als in der Vergangenheit geschehen betrachtet werden, aber dieser Vers sagte nicht aus, dass die Wunder heute nicht mehr geschehen. Er sagt nur, dass die Wunder damals geschehen sind, um das Evangelium zu bestätigen.

The revelatory gifts had ceased to serve any purpose. And when the apostolic age ended with the death of the Apostle John, the signs that identified the apostles had already become moot (cf. 2 Cor. 12:12).

Ja, es ist richtig, dass die Zeichen und Wunder der Apostel nach dem Zeitalter der Apostel aufgehört haben. Das sagt jedoch nichts über die Gaben aus. Die Gaben sind der Gemeinde gegeben, nicht nur den Aposteln.

John MacArthur macht hier eindeutig einen Fehler. Ohne es deutlich zu nennen, wechselt er hier die Kategorien. Zuerst redet er von den Zeichen der Apostel, dann von den Gaben, die der Gemeinde gegeben worden sind. Niemand bestreitet, dass die Zeichen und Wunder der Apostel aufgehört haben. Doch wie gesagt, das hat nichts mit den Gaben der Gemeinde zu tun.

Third, the gift of tongues was inferior to other gifts. It was given primarily as a sign (1 Cor. 14:22) and was also easily misused to edify self (1 Cor. 14:4). The church meets for the edification of the body, not self-gratification or personal experience-seeking. Therefore, tongues had limited usefulness in the church, and so it was never intended to be a permanent gift.

Es steht nirgendwo geschrieben, dass die Gaben der Zungenrede nur für eine begrenzte Zeit bestimmt waren. 1.Korinther 12 macht deutlich, dass alle Gaben gleichwertig sind. Sie haben jedoch bestimmte Aufgaben, so dass sie nicht immer und überall gleich eingesetzt werden können.

It is significant that tongues are mentioned only in the earliest books of the New Testament.

Das ist wieder ein Argument e silencio.

Paul wrote at least twelve epistles after 1 Corinthians and never mentioned tongues again. Peter never mentioned tongues; James never mentioned tongues; John never mentioned tongues; neither did Jude.

Paulus schrieb nie über die Jungfrauengeburt, auch nicht Petrus, auch nicht Judas, auch nicht Jakobus, auch nicht Johannes. Na und?

But once the church was established, tongues were gone. They stopped. The later books of the New Testament do not mention tongues again, and neither did anyone in the post-apostolic age.

Das hatten wir schon.

Nun zum 1. Korintherbrief 13,8

In 1 Corinthians 13:8 Paul made an interesting, almost startling, statement: “Love never fails; but if there are gifts of prophecy, they will be done away; if there are tongues, they will cease; if there is knowledge, it will be done away.? In the expression “love never fails,? the Greek word translated “fails? means “to decay? or “to be abolished.? Paul was not saying that love is invincible or that it cannot be rejected. He was saying that love is eternal—that it will be applicable forever and will never be passé“.

Obwohl an dieser Stelle beide Bedeutungen in des Wortes πίπτει theoretisch möglich wären, bietet sich vom Kontext her die Bedeutung „aufhören“ an. Soweit also alles in Ordnung.

The Greek verb used in 1 Corinthians 13:8 means “to cease permanently,? and implies that when tongues ceased, they would never start up again.

Fazit: ungefähr die Hälfte der Stellen bezeichnet παύω (pauo) ein dauerhaftes Aufhören (5), die andere Hälfte dagegen nicht (6). Bei vier anderen ist es unentschieden. Also liegt das dauerhafte Aufhören nicht in der lexikalischen Bedeutung des Wortes.

Nun zu einer weiteren Aussage von John MacArthur:

Although 1 Corinthians 13:9-10 teaches that prophecy and knowledge will cease when the “perfect? (i.e., the eternal state) comes, the language of the
passage—particularly the middle voice of the Greek verb translated “will cease?—puts tongues in a category apart from these gifts. Paul writes that while prophecy and knowledge will be “done away? (passive voice) by “the perfect,? the gift of tongues “will cease? in and of itself (middle voice) prior to the time that “the perfect? arrives.

Da John MacArthur hier einen Unterschied in der Grammatik sieht, möchte ich genau das untersuchen:

εἴτε δὲ π?οφητεῖαι κατα?γηθήσονται
κατα?γέω (Ind Fut Pass 3Pl)
εἴτε γλῶσσαι παύσονται
παύω (Ind Fut Med 3Pl)
εἴτε γνῶσις κατα?γηθήσεται
κατα?γέω (Ind Fut Pass 3Pl)

wenn παύω (pauo) im Aktiv verwendet wird, meint es das transitive „jemanden zum aufhören bringen/zwingen“. Wird es dagegen im Medium verwendet, dann meint es das absolute/ intransitive „aufhören“. Dass an dieser Stelle also das Medium verwendet wird, ist ganz normal. Hier liegt also keine Betonung vor.

Wenn das Verb κατα?γέω (katargeo) aktiv verwendet wird, dann meint es das transitive „jemanden zum aufhören bringen“. Wenn das Verb im Passiv gebraucht wird, dann kann es entweder eine wirklich passive Bedeutung, oder aber eine mediale Bedeutung haben. Es steht dann nicht so sehr die Tätigkeit, sondern mehr der Zustand, das Ergebnis im Mittelpunkt. Im Deutschen müsse man es dann aktiv übersetzen mit einem intransitiven Verb.

Es besteht also kein Gegensatz zwischen den Verben κατα?γέω und παύω, viel mehr werden sie als Synonyme gebraucht. Paulus will hier also keinen Unterschied betonen, sondern die Gemeinsamkeit: sowohl die Prophetie, als auch das Zungenreden, als auch die Erkenntnis werden aufhören.

Dass Paulus hier unterschiedliche Worte benutzt, liegt wahrscheinlich daran, dass er aus stilistischen Gründen die Verben wechselt.

In der Übersetzung müsste man am besten unterschiedliche Verben, aber dieselbe grammatische Form nehmen. Also etwas in der Richtung:

Prophetische Eingebungen hören einmal auf, das Reden in Sprachen des Geistes verstummt, auch die Erkenntnis wird ein Ende nehmen. (GNB)

Oder wenn man es etwas wörtlicher haben möchte:
Prophetie wird vorbeigehen, Reden in Sprachen wird aufhören, die Erkenntnis wird vorbeigehen.

But prophecy will pass away. Speaking in languages will end. And knowledge will pass away.

Soweit meine Meinung und hoffentlich kritische Stellungnahme zu seinem Artikel.

MacArthur hat zu manchen Themen gute Sachen geschrieben – doch hier fabriziert er leider exegetische Anfängerfehler und benutzt nicht tragfähige Argumente. Es scheint mal wieder der Fall „die Lösung lag schon vor der Exegese fest“ zu sein.

Nein, ich bin kein Charismatiker, ich rede nicht in Zungen, halte auch das meiste, was unter dem Etikett „Zungenrede“ dargeboten wird für Käse – nur hat das dann immer noch nichts mit meiner Exegese zu tun. Und bis heute konnte mir keiner eine Bibelstelle zeigen, die mich überzeugt hätte, dass das „Zungenreden“ aufgehört haben soll.

Das ist nur eine kurze Version meines Artikels. Wer die lange Version haben möchte, sollte auf meinem Downloadbereich vorbeischauen.

Gute Nacht

Markus

P.S. Solltet ihr ganz dämliche Fehler finden, kann’s an der Spracherkennungssoftware liegen, die ich (wegen meiner Sehnscheidentzündung) benutze: bitte meldet diese, damit ich sie korrigieren kann.

P.S.S. Andere Kommentare (auch kritische) sind gerne erwünscht!

Update

Bei einer Bibelstelle habe ich meine Meinung geändert: Ich denke, dass man das Wort „aufhören“ sowohl dauerhaft als auch nicht dauerhaft verstehen kann. Das ändert aber nichts grundsätzliches an der Tatsache, dass das Wort pauo nicht von sich aus „dauerhaftes aufhören“ meint.

Sonntag, 01.01., 18:11 Uhr

11 Antworten to “Sprachenrede bei John MacArthur”


  1. […] ‘’Sprachenrede bei John McArthur [sic!]‘’ zerfetzt behandelt bei MK // //]]> […]

  2. Jürgen Says:

    Hey Markus,

    vielleicht wäre es noch gut eni kurzes Fazit da zu lassen, was deine Meinung nun zum Thema Zungenrede ist.

    Fand deinen Artikel aber sehr interessant. Besonders nach dem ich ja auch die Braker Welt genoßen haben und nun immer mehr mit den Leutz aus der MacArthur Richtung zu tun bekommen.

    Gottes Segen weiter beim studieren.

  3. kairos Says:

    danke – wie du vielleicht gesehen hast, habe ich meinen Artikel etwas überarbeitet (blöde Spracherkennungssoftware) und erweitert. allerdings gings mir jetzt nicht darum meine Meinung darzustellen, sondern nur die Position von MacArthur mal auf den Prüfstand zu stellen.
    Vielleicht werde ich meine Sicht davon noch nachreichen.

    bis denn

  4. kapeka Says:

    Der Downloadlink ist futsch. Da sind zwei slashes zu viel am Ende.

  5. Danny Says:

    John MacArthur ist ein super Prediger, aber kein guter Theologe: In vielen Bereichen viel Polemik, mit wenig dahinter. Schade, dass so viele Evangelikale panische Angst vor der Sprachenrede haben.

    Guten Rutsch!
    Danny

  6. kairos Says:

    danke karl
    ich habe es geändert – allerdings habe ich gestern festgestellt, dass ich da noch jede menge Fehler korrigieren muss.
    wartet also lieber noch mit dem downloaden

    guten Rutsch

  7. kairos Says:

    so – update:
    ich habe eine geänderte Version (also hoffentlich jetzt fehlerfrei) zum downlaod bereit gestellt.

  8. Peter Says:

    Hallo Markus,
    kann ich das PDF haben?

    Sprachenrede bei John MacArthur
    Wer die lange Version haben möchte, sollte auf meinem Downloadbereich vorbeischauen.

    Gruß
    Peter

  9. kairos Says:

    hier ist es

    falls es nicht klappt, melde dich nochmal, dann schicke ich dir die PDF per Mail.

    mfg

  10. Rudi Says:

    Hallo Markus,
    Schon seit längerem befasse ich mich mit den Phänomenen der Charismatischen Bewegung, und kann aus diesem Grunde nur den Ausführungen Mc Arthurs folgen ( wenn er auch wahrscheinlich vorgefasst an dieses Thema herangeht).Trotz allem kann ich, wenn man sich das Gesamtbild der Pfingst-bzw, charismatischen Bewegung anschaut, doch schlussendlich (fast)nur fragwürdige Elemente finden die mit dem was biblisch ist nicht mehr viel gemein hat(lachen im Geist, bellen im Geist, Umfallen,Zucken Wohlstandsevangelium Torontosegen fast vollständiges Ausblenden der Warnungen für die letzte zeit – Zeichen und Wunder finden wir in der Bibel mit Bezug zur letzten Zeit nur noch im Zusammenhang mit Verführung). Interessant sind Ausführungen auf http://www.alexanderseibel.de
    Wie ist deine Haltung dazu? Gerne kann ich eine Zusammengefasste Arbeit darüber zukommenlassen Viele Grüße aus Babenhausen
    Rudolf Matthes

  11. Ralf Says:

    Hallo Rudi,

    es kann einem wirklich Angst und Bange werden, wenn man so etliche Ausführungen von „Gegnern“ der „Charismatischen Bewegung“ liest. Aber nicht um die „Bewegung“, sondern um die „Gegner“. Als ob die „Charismatische Bewegung“ ein Topf wäre, den man beurteilen kann. Da gibt es soviele Gemeinden und Verbände. Die einen befassen und interessieren sich wohl mehr mit den Charismen, die anderen eher weniger. Habe jetzt gar keine Sinn dafür, irgendwelche Behauptungen zu widerlegen. Würde diesen „Gegnern“ empfehlen, einmal wirklich Jesus Christus von Herzen in dieser Angelegenheit zu suchen. Wenn Sie wirklich die Liebe zur Wahrheit angenommen haben, kann Gott Ihnen die Wahrheit offenbaren (s.2.Thes.2,10-12)
    Viele Grüße -Ralf


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: