gelandet

13. Okt 2005

moin, moin,

wollte nur sagen, dass ich angekommen bin – im guten alten Europa!

den Rest, also die vielen Fotos von meinem Tripp nach Las Vegas, mein Fazit übers Praktikum etc. kriegt ihr später.

Markus
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So,

da bin wieder. Was wollte ich? Ach ja, das Blueprint leadership seminar.

Also gestern war die Gemeinde Gastgeber für das Blueprint seminar, das von einem Ehepaar aus Chicago durchgeführt worden war. Soweit ich das verstanden habe, sind sie unterwegs im Auftrag des Baptistenbundes und führen diese Seminare durch.

Es war ganz gut. Das Wort Blueprint heißt auf deutsch Blaupause. Blaupausen sind Konstruktions- /technische Zeichnung, die wegen des bläulichen Aussehens Blau-Pausen genannt wurden/werden.

Die Idee dahinter ist folgende. Wenn man ein Gebäude (z.B. eine Kirche) baut, hat man zunächst die Idee, an Hand derer man den Entwurf erstellt. Dieser Entwurf aber ist nicht detalliert genug für die Maurer, Zimmerleute etc. Man erstellt darum Konstruktionspläne, an Hand derer das Gebäude erstellt wird. Blaupausen eben.

In der Bibel haben wir den Entwurf für eine gesunde Kirche: es ist die Gemeinschaft von gläubigen und vor allem geistlich reifen Menschen. Doch wir als Leiter müssen nun einen Weg finden von unserer augenblicklichen Situation zum diesem Ziel zu gelangen. Der Gedanke ist, dass der Entwurf eben zu allgemein ist und wir eine Blaupause brauchen um zu wissen, welche konkreten Schritte wir unternehmen sollen. Das heißt:
wir wissen, dass ein geistlich reifer Mensch anderen dient. Wir wissen also, dass wir unsere Gruppe / die einzelnen Menschen in ihr an diesem Punkt weiterführen wollen. Wir nehmen uns ein konkretes Ziel vor und erstellen einzelne Schritte dahin.

Das biblische Bild eines geistlich Reifen Menschen ist der Entwurf, unsere Schritte die Blaupause.

Nun – für jeden Braker und FTAler wird das nichts neues sein. Es ist eine Mixtur aus Gemeindepädagogik mit M Rüther und Gemeindepraxis mit Michael Miezal (oder jetzt wohl HW jr, oder?).
Warum also habe ich das alles aufgeschrieben?
Nun um zu etwas zu verdeutlichen.

Diese Kirchen hier sind sehr darauf bedacht, nicht pragmatisch zu sein – auch nicht die modernen Wissenschaften wie Psychologie oder moderne MEthoden aus dem Managment oder Marketing zu benutzen. Das Lustige ist, dass sie, wenn es an die Praxis geht doch nichts anderes machen. Sie benutzen Erkenntnisse aus der Pädagogik und (in diesem Fall) aus dem Managment. Was die Bluprint-Leute gemacht haben war nichts anderes als die altbekannte SMART-Methode (Ziele müssen Spezifisch, Messbar, … sein). Etwas, das – meines Wissens nach – alte Managmentmethodik ist.

Warum tun sie das? Nun, weil in der Bibel konkrete Schritte fehlen. Wir wissen wohin wir die Menschen führen. Sie gibt uns auch einige Hinweise wie wir sie dahin führen sollen – doch im alltäglichen Leben, in der Praxis der Gemeinde kommen wir doch nicht drumrum, genau dies Schritte aus dem Managment anzuführen.
Ist es schlecht – nein, of course nicht.
Warum? Ist es nicht Verrat? Ist es nicht vermischen von menschlicher Philosophie mit Göttlichem Evangelium? Nein, es ist es nicht.
Was ist es dann?
Ganz einfach: Es ist Weisheit. Weisheit ist, das Leben klug zu meistern, biblische Weisheit ist, es in Übereinstimmung mit Gottes(=biblischen) Maßstäben zu meistern.

Wenn du die Alttestamentliche Weisheit mit Ägyptischer, Altorientalischer Weisheit vergleichst, wirst du Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellen.
Ähnlichkeiten sind da, weil das Leben gleich ist. Wir leben als Menschen unter Menschen, haben mit den selben menschlichen Problemen zu kämpfen. Wir erleben das selbe Wetter, … Darum finden wir die selben Lösungen für Probleme.
Unterschiede, weil wir beim Lösen der Probleme nicht nur unseren Verstand, sondern auch Gottes Gebote einbeziehen. Wir tun, was wir tun, nicht nur um unser Wohlergehen willen (das sicher auch), sondern auch – und hier sollte unser Schwerpunkt liegen – um Gott zu ehren. Darum findet ihr in der AT-lichen Weisheit Sätze wie: „Den Herrn ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit.“ (Sprüche 1,7)

Also: genauso wie damals auch Nichtjuden auf gute Lösungen kommen konnten, genauso können auch Nichtchristen auf gute Lösungen kommen. Sie studieren zum Beispiel das Verhalten des Menschen und machen richtige Beobachtungen und manchmal auch richtige Schlussfolgerungen. Diese Beobachtungen (und auch die richtigen Schlussfolgerungen) gelten dann auch in der Kirche, weil auch hier Menschen sitzen und Gott alle Menschen gleich gemacht hat.

Die Unterschiede ergeben sich aus der Tatsache, dass die Anthropologie (also das Menschenbild) der sekulären Forscher falsch, weil meistens humanistisch ist. Das biblische Menschenbild zeigt uns ein in mancher Hinsicht anderes Bild vom Menschen. Die Bibel zeigt, dass der Mensch verdorben ist – doch sie zeigt auch, dass er als Geschöpf Gottes zu klugen Handlungen fähig ist – auch wenn die Motive bei einem Nichtchristen (und ich meine nicht nominelle Zugehörigkeit zu einer Kirche, sondern die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist) nie rein sein werden.

Apropo HG: Der ist auch ein Grund dafür, warum manche Erkenntnisse aus der humanistischen Wissenschaft nicht auf die Gemeinde übertragen werden können: Der HG ‚funkt‘ manchmal dazwischen und dann nützen die besten Statistiken nichts.

Doch Sachen wie Kommunikation, Lernfähigkeit etc. ändert sich nicht grundsätzlich. Darum kann ich die Ergebnisse übernehmen, wenn sie nicht auf falschen Voraussetzungen beruhen. Das Beste wäre also, wenn wir als Christen unsere eigene Pädagogik, Psychologie betreiben würden – also wirklich empirische Wissenschaft auf Grundlage des biblischen Menschenbildes. Zu oft ist nämlich „christliche“ Psychologie etc. nichts anderes als humanistische mit einem christlichem Anstrich.

Um es klar zu machen: ich habe nichts gegen Psychologie (die Wissenschaft), nur etwas gegen humanistische Psychologie. Und um es auch klar zu machen: JEDE Wissenschaft beruht auf einem Paradigma – ob es humanistisch, buddhistisch, biblisch, etc. ist. Darum wird es nie einfach nur Psychologie geben, immer nur humanitische, biblische etc. Psychologie (Das lässt sich auch auf Pädagogik etc. anwenden).

So, warum schreibe ich hier so ne lange Abhandlung darüber?
Weil das der letzte Puzzlestein in meinen Überlegungen war. Während all der Zeit hier habe ich darüber nachgedacht, ob unser Braker / FTA-Ansatz falsch ist. Also: ist es falsch Erkenntnisse aus Managment, etc. zu übernehmen – also letztlich außerbiblisches Wissen? Für die meisten Lebensbereiche wird damit niemand Probleme haben – aber was ist mit Gemeindebaut / Mission etc.?

Nun – hier scheiden sich die Geister. Die Kirchen hier (also die Generall Association of Regural Baptist Churches) oder die Kirchen um McArthur (was sich in Südcalifornien zum Teil überschneidet) sind der Ansicht, dass das nicht erlaubt ist.
ABER – und das war meine Erkenntnis während der nun sieben Wochen hier: Sie tun es trotzdem. Wenn es um Evangelisation geht, dann hört man Sätze wie: „Wir führen Kindermusical durch weil es funktioniert. So lassen sich die Leute einladen.“ Oder wenn es dann um das Planen von Aktionen geht greift man zur altbewähren SMART-Methode.

Warum: weil die Bibel über das WIE oft nichts oder zu wenig sagt und weil Gott – meine Überzeugung – uns den Verstand zum Denken und nicht nur zum Wärmeaustausch gegeben hat. Und versteht mich nicht falsch. Ich denke nicht, dass das ein Manko der Bibel ist, sondern ein Riesenvorteil: Gott will, dass wir die Methoden wählen, die für unsere Zeit, unsere Kultur angemessen sind und seinem heiligen Charakter entsprechen. Darum will er, dass wir ARBEITEN. Ansonsten wäre es ja leicht – doch das ist es nicht; erfordert Grips, Weisheit und Demut, immer wieder dran zu bleiben und das alles unter einen Hut zu kriegen. Doch – das ist o.k. so und darum haben wir auch den Heiligen Geist.

Ich denke auch, dass Paulus (und andere Männer aus der Bibel und der Kirchengeschichte) auch Managment-, Marketing- und andere Methoden angewandt haben und dass wir es in der Bibel finden können. Das zu sagen, heißt nicht, dass ich diese in die Bibel hineinprojiziere, sondern dass ich anerkenne, dass alles Intelligente und wirklich weise, was die Menschen „erfinden“ können sowieso von Gott in sie hineingelegt worden ist (nein, keine übernatürliche Inspiration, sondern die natürliche Veranlagung bei der Schaffung der Menschen). Wann auch immer also jemand etwas intelligentes schreibt, das sich mit der Bibel in Übereinklang bringen lässt, ist es also ein „menschliches Naturgesetz“ (wie z.b. dass wir besser arbeiten können, wenn wir ausgeschlaffen sind – ja ich weiß, ist trivial) – das darum mit der Bibel übereinstimmt und das wir deshalb benutzen können: WEIL GOTT SO DEN MENSCHEN GESCHAFFEN HAT. Und Gott hat alle Menschen gleich geschaffen, darum sind empirische Erkenntnisse möglich und jeder, der sich die Mühe geht, ihnen sorgfältig nachzugehen, wird sie finden.
Und manche davon finden wir in der Bibel – und andere nicht. Gott wollte uns auch etwas zum „erfinden“ lassen. Sonst wäre es ja langweilig ;°)

Also:
Ein gutes Seminar (wenn auch nichts oder nicht viel Neues) – und ich hoffe, dass die GARBC es irgendwann kapiert, dass sie doch nicht so ganz ohne die empirischen Wissenschaften und „menschliche“ Weisheit auskommen können, wie sie es jetzt noch offiziell sagen. Ich hoffe auch, dass die nächsten Generationen es verstehen werden, diesen Spagatt besser zu leben, als wir es heute oft tun.

Markus
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T – 6

07. Okt 2005

moin,
ihr fragt euch sicherlich, was T – (minus) 6 ist. Nun: es heißt, dass ich in sechs Tagen zurück nach Deutschland fliege (in hebräische Zählweise: also Heute eingeschlossen).

In den letzten Tagen habe ich meine Jugendstunde über Umweltschutz vorbereitet und gehalten. Ich weiß nicht, ob ich es hier schon erwähnt habe, aber Jon Duncan (der Jugendpastor hier) hat mir für meine Jugendstunde (also am Donnerstag, nicht zu verwechseln mit der Sonntagschule für die High School) freie Hand gegeben. Er sagte: Sag das, was du denkst, dass wir hier hören sollten.
Tja, ich brauchte eigentlich nicht lange überlegen, auch wenn ich noch einige andere Themen zur Wahl hatte. Ich habe meine erste Jugendstunde über Umweltschutz gehalten. Ich habe vier Gründe angeführt, warum ich denke, dass wir Christen Umweltschützer sein sollen:

  1. Weil es vernünftig ist – wir haben nur eine Erde
  2. weil Gott die Erde geschaffen hat und sie ihm gehört(ps 50,11 und ps 104)
  3. weil Gott sich um die Tiere kümmert (jon 4,11, mt 6,26 und ps 104)
  4. weil Gott es geboten hat (gen 1,28 und gen 2,15)

Die Kids haben zugehört und ich denke, dass ihnen Umweltschutz nun mehr am Herzen liegt und sie ab Heute mit Umweltschutz nicht nur „greenpeace“ und „Verrückte“ verbinden.

Übrigens fiel mir auf, dass ich noch nie eine Predigt, Jugendstunde etc. pp über Umweltschutz aus biblischer Sicht gehört/gelesen habe. Und im Internet findet man auch nicht soo viel fundiertes darüber. Meistens nur liberales geschwalle ohne biblische Begründung. Ich zweifle ja nicht an, dass wir die Umwelt schützen sollen, doch ne biblische Begründung will ich schon gerne sehen (vor allem, weil man sie findet, wenn man nur sucht!).

Am Donnerstag (also gestern) habe ich auch an einem Seminar für Leiter teilgenommen:
Blueprint leadership seminar.

Doch dazu gleich mehr, muss kurz weg.

Markus
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Da es schon etwas länger her ist, dass ich hier etwas gepostet habe (also ich meine, irgendwas zum Thema Praktikum) will ich das hiermit nachholen.

Womit fangen wir an? Ah ja, das Master’s College (TMC).

In der Woche vom 19 bis zum 25 September war ich insgesamt vier Tage im TMC. Das TMC hat ca 1000 Studenten in 6 oder 7 Studienfächern (Major). Der größte Anteil der Studenten belegt Biblical Studies (mit den Schwerpunkten [minors] Exegese, Seelsorge, Jugendarbeit, Mission …) als Major.
Daneben sind noch Pre-Med (also eine Art vorstudium fürs Medizinstudium), Business wund Pädagogik ziemlich hoch im Kurs. Es gibt dann auch noch Musik und Mathe und Bio, glaube ich.
Meiste Zeit war ich natürlich bei den BS-Leuten.

Ich habe einige Klassen besucht, wie z.B: Biblical Counseling (Biblische Seelsorge), Galater-Exegese, Einleitung ins NT etc. Daneben habe ich mit einigen Leuten gesprochen. Z.B. mit dem Leiter für Biblical Studies, mit dem Dekan des MC, mit Lisa LaGeorge (verantwortlich für Internationale Studenten), mit dem Studienleiter (VicePrecident for Academic Affairs [ich denke mal, dass es so was wie der Studienleiter ist – aber ihr dürft mich auch gerne korrigieren]) und auch dem Prof für Biblische Seelsorge.

Einige Beobachtungen:
Viel Neues habe ich dort nicht gehört und vom Niveau her ist es auch irgendwo zwischen Bibelschule Brake und FTA anzusiedeln. Mal eher BSB mal eher FTA. Das liegt natürlich auch daran, dass es ein College und kein Seminary ist. Das heißt, dass die meisten Studenten (ca 950 von 1050) nur auf Bachelor-Ebene studieren.
Außerdem liegt es auch daran, dass man im College neben den Major-Fächer (also z.B. Exgesen etc) viele Grundfächer belegen muss, wie z.B: Mathe, Englisch etc.
Es ist also anders als an den Unis/Hochschulen bei uns, wo man praktisch nur die Fächer studiert, die für die jeweilige Fachrichtung relevant sind. An den Colleges hier wird also die Allgemeinbildung von der Highschool noch etwas weitergeführt.

Für mich wäre also vielleicht der Besuch beim TMS (The Master’s Seminary) interessanter. Denn das ist ein postgraduenten-Studium (also man hat Bachelor und studiert auf Master-Ebene).

Weiter:
Die Leute hier sind (wie ich es gehofft habe) nicht ganz so engstirnig. Im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, mit denen ich in der Zwischenzeit hier gesprochen habe, hat z.b: der Seelsorge-Prof die Psychologie nicht ganz und gar verworfen, sondern nur deutlich gemacht, dass die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Psychologie immer an der Bibel gemessen werden müssen, bevor wir sie in die Seelsorge übernehmen. Oder noch besser: wenn wir einen neuen Trend in der Psychologie entdecken, sollten wir uns selbst eine eigene Meinung bilden – dabei dürfen wir die Fakten aus der Psychologie durchaus – wenn auch mit Vorsicht – verwenden. Im Großen und Ganzen das, was ich auch sage.

Außerdem habe ich festgestellt, dass unsee Fächer an der FTA sehr gut sind – z.b. die Exegese bei Siebi (äh, ich meine natürlich Dr. Henry von Siebenthal). Als ich der Vorlesung über Galater saß, habe ich mir gedacht, dass wir wirlich eine gute Ausbildung bei ihm erhalten haben. Danke Siebi, äh – Dr. von Siebenthal!

An zwei Tagen war ich auch in der Andacht (für Braker) / im Plenum (für FTA’ler) – also in der Chappel.
Der erste Schock: Es gab Lobpreis mit Schlagzeug, Bass- und E-Gitarre.
Einerseits war ich erleichtert [denn es hat mir gezeigt, dass die Leute hier nicht ganz so verbohrt sind, wie ich befürchtet habe], andererseits war ich etwas sauer.
Denn wenn Rick Warren Gitarren einsetzt, dann ist das Pragmatismus, wenn es das TMC ist, dann ist das die christliche Freiheit (sorry für den Sarkasmus).

Das Thema in dieser/n Woche/n ist Kirchengeschichte. Am Freitag hat David Bosworth über die Frage geredet, warum die Reformatoren fast nichts in Richtung Wetlmission unternommen haben. Als er mir diese Frage am Dienstag stellte nannte ich drei Dinge:

  • Sie hatten anderes zu tun (ihren Glauben verteidigen etc.)
  • sie waren Kinder ihrer Zeit (habe ich von Kotschi geklaut) und haben einfach nicht daran gedacht
  • teilweise war auch ihre Theologie schuld(Hypercalvinismus) [besonders in 2. und 3. Generation (bitte nicht Calvin in die Schuhe schieben – der war sehr evangelistisch)]

So war ich dann am Freitag (positiv) überrascht, diese drei Punkte in seinem Vortrag zu finden (neben vier anderen). Und besonders die Formulierung: „Sie waren Kinder ihrer Zeit und wir sind Kinder unserer Zeit“ und müssen aufpassen, dass wir nicht genauso blind für die Fehler unserer Zeit sind, wie die Reformatoren für die Fehler ihrer Zeit waren.
Hat er mir gegenüber dann auch zugegeben, bei mir geklaut zu haben – Ist o.k., habe ich ja auch von Kotschi geklaut 😉

Soviel zum Thema TMC (Schaut einfach mal auf deren Homepage vorbei!)

Am Samstag war ich im Magic Mountain Park: einfach krasse Achterbahnen. Bei einer bin ich fast ohnmächtig geworden. Ich weiß nicht wieviele g da auf das Hirn drücken – es muss schon gewaltig sein, was sich da ansammelt.

Am Sonntag habe ich dann meine erste Sonntagschulstunden über Psalm 139 gehalten. Das eigentliche Thema ist Gottes Eigenschaften. Da ich vor hatte, die Kids arbeiten zu lassen, habe ich Psalm 139 ausgesucht und werde anhand des Psalm über Gottes Allwissen und Allgegenwart sprechen.

Am ersten Sonntag habe ich ihnen ein paar Tipps gegeben, wie man hebräische Poesie lesen sollte (ihr wisst schon: mit Parallelismen und so) und wir sind dann Vers für Vers durchgegangen, um sozusagen ein Extract in heutigem Englisch zu erstellen. Damit hoffte ich, den Kids den Inhalt wirklich nahe zu bringen.
Sie haben nach einigen Minuten Aufwärmzeit ganz gut mitgemacht und ich habe von ein, zwei Leuten eine positive Rückmeldung bekommen.

Am Abend dann habe ich eine spontane Einladung erhalten, als Betreuer mit nach Ironwood zu gehen. Ironwood – the broken I ranch ist ein christliches Camp mitten in der Mojave-Wüste. Es ist nicht weit von Nevada (ca. 120 Meilen von Las Vegas).
Dorthin sind die Schüler der Highschool (also 9 – 12 Klasse) gefahren. Das machen sie jedes Jahr als eine Art Mischung zwischen einer geistliche Besinnungswoche und eine Klassenfahrt.
Dementsprechend gab es gemischtes Programm: Viele Spiele, viel Spaß aber auch richtig gute Andachten und fast schon charismatischem Lobpreis (schon wieder so etwas, was ich hier nun gar nicht erwartet hätte – zumindest gab es kein Schlagzeug 😉 ).

Das Camp an sich wird von konservativen Südstaaten-Gemeinden getragen. Mit konservativ meine ich: Kein Schlagzeug, traditionelle Musik (den charismatischen Worship-leiter hat die Schule mitgebracht), kein gemischtes Baden etc. pp. Also wirklich konservativ (oder besser: traditionell/traditionalistisch).
Dafür gibt es in diesen Gemeinden wohl auch Arminianer (ts ts) – hat mir zumindest einer der Lehrer erzählt, der wohl auf einem College derselbe Ausrichtung gewesen war.
Was lernen wir daraus: nicht alle US-Christen sind John McArthur-Fans. Auch hier gibt es Arminianer und Calvinisten …
Wenn es darum geht Jugendliche zu begeistern, greifen dann die Leute dann doch zu jugendlichen Liedern und Spielen [ich finde es ja auch gut – nur hätte ich es nicht auf dieser Schule erwartet].
Ach so: auf diesem Camp gab es auch etliche Workschops. Eines davon:
Schießen (ne, nicht Fotos, sondern Bogen, 22mm-Kaliber und Shotgun), kein Witz!
Was lernen wir DARAUS?
Nun: traditionell ist nicht gleich traditionell. Oder kann sich einer von euch vorstellen auf einem deutschen Jugendcamp (sagen wir Brake / WDL / Wiedenest) oder sogar einem Polnischen SCHIESSWORKSHOPS zu veranstallten. Ich nehme an, dass du als Leiter schneller nach Hause fahren ‚dürfest‘, als du „Full Metal Jacket“ sagen kannst. [Mal abgesehen davon, dass es rechtlich kleine Probleme gäbe].
Das Lustige: als ich denen gesagt habe, dass das auf einem christlichen Camp in Deutschland sowas nicht geben dürfte schauten die mich ziemlich verständnislos an.
Soll ich lachen oder weinen? keine Ahnung.

Die Woche (oder besser die drei Tage) waren an sich ganz gut. Es gab viele gute Möglichkeiten Spaß zu haben; die Leute dort sind echt kreativ, was neue Spiele angeht. Die Messages waren auch sehr gut – ich muss zugeben, dass ich überführt worden bin, die ganze Sache mit Gott und so etwas zu locker zu nehmen.
Habe darum die Entscheidung gefällt, das alles wieder ernster zu nehmen. Denn trotz allem schönen und lockerem und dem erlaubten Spaß sind wir immer noch mitten im geistlichen Krieg – und das will ich nicht vergessen!
[auf dem Weg raus aus dem Camp Richtung Highway standen viele Schilder, die – wenn man sie alle las – ungefähr folgenden Inhalt hatten: „Es sagte einmal jemand zu einigen Leuten, als er sie verlassen hat/musste: Was zählt, sind nicht deine Entscheidungen, sondern ob du in dem, was du tust, ausdauernd bist und bleibst“. Echt gut. Es war eine Bibelstelle dabei – aber ich habe es nicht ganz erkannt welche – ich weiß nur, dass es aus einen der Timotheusbriefe war (vielelicht 1Tim 4,16 oder 2Tim 4,6ff – oder so).]

Es gab aber einen Wermut-tropfen in dem Ganzen:
die Jungs in meiner Hütte, als deren Betreuer ich eingesetzt war, hielten nicht soviel davon, mich als ihren Betreuer zu haben. Da ich sie gar nicht kannte (und sie mich nicht), da ich auch – wenn sie nuschelnd und total schnell miteinander geredet haben (vielleicht noch halb slang) – nicht viel verstand, war es echt schwierig, an sie ran zu kommen.
Wahrscheinlich können sie mich nicht leiden, da ich sie pünktlich ins Bett geschickt habe – ist auch egal – bin bald weg 😉

So, kommen wir zum Sonntag.
Ich hatte Teil zwei der Sonntagschule – Also Gottes Allwissenheit (sagt man das so auf deutsch? – wenn nicht: Gottes Omnisciens / God’s omniscience)
Die Kids haben wieder gut mitgemacht und ich denke, sie haben einiges mitgenommen.

Am Abend (also gestern Abend) habe ich dann mit Hilfe einer Präsentation etwas über Deutschland, Polen und meine Ziele nach dem FTA-Studium berichtet. Es waren wohl so 10 bis 15 Minuten. Einige Leute haben dann auch noch weitere Fragen gestellt. War ganz nett. Ach ja: Es gab gemeinsames Dinner/Abendessen in der Gemeinde. es waren wohl so um die 80 bis 100 Leute da (vielleicht auch etwas mehr) und es war wirklich ne nette Atmosphäre.
Zum Abschluss habe ich dann einen kurzen Gedanken zu Philipper 2,5-11 (Jesus erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz) und dem Lied „The Servant King“ weitergegeben.

Zum Schluss haben sie eine Kollekte für mich eingesammelt – der Pastor hat mir gerade gesagt, dass es insgesammt ca 800 Dollar sind – Cool! Damit kann ich das neue Laptop fast ganz bezahlen!

Danke, Gott, and thank you, Santa Clarita Baptist Church!

Sorry, dass ich diesmal keine Fotos drauf habe – schaut einfach mal auf meinem flickR-Account vorbei.

Bis denn

Markus
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Moin,
da ich diesmal nicht soo viel Zeit habe, berichte ich nur Auszugsweise, was ich letzte Woche gemacht habe und was ich in dieser noch so alles machen werde.

Von Dienstag bis Freitag letzter Woche war ich jeden Tag im Master’s College. MC ist ein christliches College mit etwa 1000 Studenten und mit 6 oder 7 Schwerpunkten (u.a. Bible Study, Biologie, Business)

Am Samstag war ich dann im Six-Flags-Magic-Mountain-Vergünungs-Park.
Dort bin ich unter anderem mit „Batman the Ride“ gefahren und auch mit „Goliath“. Letzere ist so krass, dass ich in einer Kurve fast mein Bewusstsein verloren habe (oder jemand hat für ein paar Sekunden den Dimmer für die Sonne betätigt).

Am Sonntag habe ich dann meine erste Sonntagschullektion für die High-schooler gehalten (zwei kommen noch) und bin von Mike und Sylvias zu Paul und Judies Haus umgezogen.

Morgen gehe ich dann mit den High-School-Kids auf ein dreitägiges Retreat als Begleiter. Bin schon gespannt.
Außerdem muss ich noch die Sonntagschulstunde zu Ende vorbereiten (ist aber schon zu 95% fertig) und meine Präsentation über Deutschland und Polen (ist zu 30% fertig).

Heute Abend werde ich dann auch an der Gemeindeleitungssitzung teilnehmen.
Wie ihr seht, endlich mal eine Woche, in der mein Terminkalender wirklich wie der eines Praktikanten aussieht 😉

Schönen Gruß an Euch alle in Deutschland (oder wo auch immer ihr gerade seid [können die Jungs von der ISS auch im Internet surfen?]) und bis zum nächsten Mal

Markus
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Predigt nummer eins

07. Sep 2005

Ja, wie am Samstag angekündigt, habe ich am Sonntag Abend hier in der Santa Clarita Baptist Church gepredigt.

Das Thema war „The Church is a magnificent Body“ und es war eine Auslegunspredigt zu 1Kor 12 – mit eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Diese Stelle fasziniert mich, weil Paulus darin so bildreich und humorvoll beschreibt, was es heißt, dass wir ein Körper, ein Organismus sind.

Die Leute waren alle sehr begeistert – vom Inhalt und von meinem Englisch (na ja, wenn man alles Wort für Wort vor sich liegen hat, dann ist es nicht soo das Problem – das Problem waren die drei Tage Übersetzung vorher).
Das Peinlichste war dann, als der Pastor nach der Predigt meinte, die Leute sollen mich a) zum Dinner einladen (das war noch o.k.) und b) mir Klammotten kaufen (öh – wo war noch mal das Loch im Boden, das ich vorhin gesehen habe?). Mann, die denken jetzt wahrscheinlich alle, dass wir Deutschen uns keine Klammotten leisten können. Als Ergebnis kam gleich einer auf mich zu und fragte mich, was meine Kragenweite ist. ts ts ts…

Ne, war aber sonst ganz nett – ich fühlte mich einigermaßen frei, auch wenn ich viel ablesen musste, was ich sonst nicht so gerne mache.

Heute (wir hatten gestern frei) sprach ich mit dem Pastor und der gab mir ein Buch zum Lesen. Thema ist Ökumene und so… [ich habe in der Predigt gesagt, dass egal in welcher Kirche jemand ist (eingeschlossen der Lutheraner), wir alle ein Teil des Körpers Gemeinde sind, wenn wir Jesus als Retter und Herrn angenommen haben. Ich nehme an, das war der Auslöser für meine jetzige Aufgabe]

Ihr dürft also gerne beten, dass ich in dem/den kommenden Gespräch/en mich ihm (über das Buch ‚This little Church went to market‘ werde ich ja auch noch mit ihm reden) einerseits meine Überzeugenen biblisch begründen kann, zweitens bereit bin, kritik und Anregungen anzunehmen, auch wenn ich anderer hinsicht bin und drittens meine Argumente ohne Wut oder Überheblichkeit darstellen kann – aber auch, dass ich damit nicht hinterm Berg halte aus falscher Angst vor Konflikten.
Ist etwas schwierig, wenn man hier noch fünf Wochen ist und nicht unter freiem Himmel übernachten will (o.k. war ’n dummer Witz).
Ich hoffe, ihr versteht ein bisschen, wie es mir geht.

CU
Markus

Ich lese gerade das Buch „This little Church went do Market“ von Gray E. Gilley. Ich stimme ihm in einigen Punkten zu, in anderen nicht (wie das so ist bei Büchern). Insgesamt muss ich aber sagen, dass mir seine Argumentation nicht gefällt – nicht weil mir die Ergebnissen nicht passen, sondern weil sie zu flach ist. Vielleicht hätte er Carsons „Exegetical Fallacies“ lesen sollen.
Er spricht von „entweder-oder“-Entscheidungen, wo man auch „sowohl als auch“ sagen kann. Er unterscheidet nicht sauber, worüber er redet. Wenn er über Psychologie redet, redet er eigentlich über Humanismus oder über humanistische Psychologie (Humanismus ist eine Weltanschauung, Psychologie ist eine Wissenschaft).

Doch einen Gedenken habe ich gerade gehabt, den ich wichtig finde und mit den anderen Theologen und Nicht-Theologen hier teilen will.

Wir müssen aufpassen, wenn wir die Menschen erreichen wollen und dabei auch ihre Sprache benutzen, dass wir nicht den selben Fehler begehen, den die Kirchenväter begangen haben. Sie wollten die Intellektuellen und Philosophen erreichen und sie haben über Gott und Jesus mit den Vokabeln ihrer Zeit gesprochen. Sie haben von Logos und Weisheit gesprochen.
Doch das Erbe dieser Zeit war – neben vielleicht einigen, vielleicht sogar vielen bekehrten Intellektuellen – eine verdrehte Philosophie, allegorische Auslegung etc. pp, die die (katholische) Kirche von für Hunderte, Tausende von Jahren bestimmt hat.

Wir müssen darum aufpassen, dass wir nicht den selber Fehler begehen.
Wenn wir – weil die Menschen oft darüber reden – psychologische Vokabeln benutzen (was, ich denke, legitim ist), dann müssen wir klar machen, dass humanistische Psychologie (und die meiste Psychologie ist humanistisch) nicht mit der Bibel vereinbar ist. Denn die Menschen hören diese psychologischen Vokabeln und assoziieren sie mit der (humanistischen) Psychologie.
Sie werden darum auch die Inhalte assoziieren. Wenn wir also diese Vokabeln benutzen, müssen wir klar machen, dass die Inhalte nicht kompatibel sind. Kommunikation ist ja schließlich das, was verstanden wird, nicht das was wir wollen, dass verstanden wird.
Wenn wir also – der Kommunikation wegen – auf Kanaanäisch verzichten, dann müssen wir auch auf (einige?) psychologische Vokabeln und Illustration verzichten, damit wir die Leute nicht verwirren mit dem, was wir sagen. Wir wissen ja, was wir sagen wollen und wie wir es verstehen, doch – wissen es unsere Zuhörer auch?

Markus
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